Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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170 Riefe, K.J. V. und Mifdiehe Programm ausreichen, wenn die Partei nicht in Ketzerriecherei und Räucherei zugrunde gehen foll. In die Stellungnahme zu .Detail^ fragen kann fie dem Individuum nidit dreinreden«. Am meißen aber hat man die Gemüter dadurch einzufchüchtern verfucht, daß man das ganze Problem gewaltfam in die in diefem ganzen Zufammenhange garnicht notwendige Fragefieflung preßte: ob ein Prinzip, als richtig und notwendig anerkannt, nicht auch fiets mehr als die Perfon geheiligt werden müßte. Bedarf es denn wirklich einer Betonung, daß es etwas ganz anderes iß, ob Müller oder Goethe irgend einen moralifch fragwürdigen Akt begeht? Abgefehen davon, daß ein moralifch fragwürdiger Akt zugefiandener* maßen hier nicht einmal vorliegt! Iß es nicht Binfenwahrheit ge* worden, daß neben dem <sit venia verbo in diefem Zufammen* hange) Verbrechen noch ein Verbrecher exißiert, der dem Richter erfi den richtigen Maßfiab zur Betrachtungsweife und möglichen: Aburteilung an die Hand gibt! Gewiß iß es lächerlich und ge* 'fährlich, überall einen Goethe vermuten zu wollen und mit ent^ fprechendem Maßfiabe zu richten und auf diefe Weife die Duldung; zu weit zu treiben! Aber ebenfo traurig dünkt es mich, überall nur Müllers zu vermuten und Normalwertungen für Normaltypen fchaffen zu wollen (zumal dies wohl ein merkwürdiges Vorbeigenen an dem fpezififchen Charakter unferes Volkes wäre). Auch Icheint es eine auffallende Inkonfequenz, wenn man fich einerfeits einen Kreis von Menlchen erziehen will, in dem jeder einzelne mehr fein foll als nur Zioniß und der im ganzen mehr fein will als nur politilch akademifche Gemeinfchaft, man infofern alfo mit einem Auslefeprinzip arbeitet, und man auf der anderen Seite die Menfchen, die diefem Auslefeprinzip unterworfen werden follen, in ein Schema prellen will. Man gefiatte mir die kleine Variante des oft zitierten Wortes: Wo die Menfchlichkeit anfängt, hört alles andere auf! Statt delfen aber konßruiert Pelz fogar einen Gegenfatz: zwifchen allgemein^menfchlichem und dem K. }. v.er^Standpunkt. Soll das etwa bedeuten, daß wir eine Gemeinfchaft bilden, die außerhalb jeglicher allgemein menfchlichen Bewertung lebt? Es iß nicht un^ gefährlich, den Maßfiab für feine Handlungen im bewußten Ab* fchfuß nach außen nur in der eigenen Brufi oder — in dem Zu* fammenhange gilt das gleich im engßen Kreife zu fuchen, der ja doch nur auf eine einzige Melodie abgeßimmt iß. Man hüte fich, eiferne Dogmen zu fchaffen und diefe zu. verewigen. Man tut gut, möglichfi tolerant gegen andere und möglichfi intolerant gegen fich felbfi zu fein. Und wer fchließlich noch genügend Kritik befitzt, um diefe Dogmen nur im engeren Rahmen gelten zu lalfen, der gewöhnt fich doch allmählich daran, auf alle außerhalb diefes Kreifes mit einer gewilfen Herablaflung und Geringfehätzung hinabzublicken, weil fie nicht imfiande gewefen? feien, alle Brücken hinter fich abzubrechen. Schließlich iß dies der