Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Rieß, K. J. V. und Mifchehe diefe fogenannte RalTereinheit ift und zu welchen komifchen Konfe* quenzen entfprediende Anfchauungen und Forderungen führen müßten, wie etwa zu folgender : es ift jedesmal feftzuftellen, wie* viel biologifche semitifche Einheiten im Blute der betreffenden Perfon vorhanden find, die Einlaß begehrt, und die Aufnahme abhängig zu machen von einer zu beftimmenden Mindeftanzahl folcher Einheiten. Wenn man fich nun auch nicht fo weit ver* ftiegen hat, derartige groteske Blutreaktionen zu ertipfehlen, fo hat lieh doch wirklich Ähnliches ereignet: kurz nachdem der Befchluß von der Unverträglichkeit der Mifchehe mit der Zugehörigkeit zum K. Z.Y. gefaßt war, begegnete ein Bundesbruder, defTen Namen ich fchonend verfchweigen will, und der fich zu den Eiferern ge* fchlagen hatte, jenem Ausgeftoßenen und erfuhr im Gefpräch von diefem, daß etwas jüdifches Blut in den Adern feiner Frau rinne. Darauf der Zelot: »Ja, warum haft Du das nicht gleich gefagt!« Mit mehr Nachdruck fchon wird bei Pelz die Frage der fo^ genannten Garantien behandelt. Und auch hier wieder ift dies erftaunlich : daß klar anerkannt und zugeftanden wird, wie wenig Gewähr für das Judentum felbft Kinder rein^jüdifcher, ja zioniftifcher Mütter bieten, und daß man andererfeits vermeflen genug ift, den Kindern jener Frauen etwas am Zeuge zu flideen, die mehr getan haben, als die fogenannten rein^jüdifchen Frauen nötig hatten zu tun, nämlich zum Judentum übertraten. Es fofl nicht geleugnet werden, daß erotifche Antriebe dabei ftark beteiligt lind,- wie aber ift es mit den rein^jüdifchen Frauen? Sollten bei deren jüdifcher Gefinnung und Betätigung, bei deren Anteilnahme am Werke des Mannes nicht gleiche Motive maßgebend fein? Ich wünfehe jeden* falls keinem Bundesbruder eine Frau* die »nur« aus Überzeugung fich mit dem Manne pofitiv-jüdifch orientiert. Wo liegt da ein Unterfchied? Überhaupt follte man in diefem Zufammenhange nicht auf Motive fahnden! Wie mannigfaltig find die Motive, die den Juden zum Zioniften machen, und wie weit ab liegen fie oft jedem eigentlichen jüdifchen Inhalte! Und geben nicht auch diefe Motive tüchtige Zioniften? Oder will man etwa auch hier Wertunterfchiede machen? Es wäre höchft intereffant und lehrreich, eine Umfrage anzuftellen, auf welche Weife und auf welchem Wege der einzelne zum Zionismus gelangt ift. Ich glaube, die fchlechteften find es nicht, die nicht nur aus unjüdifchem Milieu, iondern auch aus eigentlich unjüdilchen, mehr in der individuellen, von jüdifchen Inhalten noch garnicht durchtränkten Pfyche des be^ treffenden liegenden Motiven zu uns gekommen find! Vielmehr darf nur eines Gewähr bieten und darf Kennzeichen fein für den Menfchen, der unfer ift: dies ift lediglich %in Wille, fein jüdifcher Wille, und die jüdifche Tat, die er erzeugt. Daß man lieh drüben im allgemeinen über das eigentliche Wefen jenes jüdifchen Gewifiens, das die Ausftoßung des Bundesbruders fordert, der eine Mifchehe eingeht, nicht ganz im klaren