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Der jüdische Wille · 1918-08-01 · Heft 3 (August 1918) · page 24

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 3 (August 1918)
Date
1918-08-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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164 / Phtner, Das Programm der Zurückbleibenden. Juden national zu beeinfluflen und (ie zu organifieren, fo haben wir eine wichtige zionißifche Arbeit gefeißet, unfre Arbeit, die uns ob^ liegende Arbeit. Man wird vielleicht einwenden, das deutfche Judentum fei letzten Endes nicht fähig, national organifiert zu werden, weil es unter feiner Umgebung einen zu geringen Prozentfatz bilde. Das an diefem Einwand Richtige iß, daß nationale Organifation eine große Zahl von Menfchen vorausfetzt, die zu. einer Gemeinfdbaft zufammengefaßt werden können. In diefer Beziehung ßeht es um die deutfchen Juden aber keineswegs fchlimm. Sie wohnen zu einem weit überwiegenden Teil in den großen Städten und bilden dort nicht nur ihrer Zahl nach, fondern auch infolge ihrer gleichförmigen fozialen Eingliederung einen bemerkenswerten Beßandteil der Bevölkerung. Der iß aber immerhin nirgends fo groß, könnte weiterhin entgegnet werden, um dem Worte Nation in der Anwendung auf diefe Juden irgendwelchen Inhalt zu geben. Diefer Einwand iß fehr beachtlich, und es bedarf zu feiner Widerlegung eines kurzen Nachdenkens darüber, was Nationalismus bedeutet — und was er nicht bedeutet. Wir haben heute gelernt, Nation und Staatsvolk zu trennen. Die Angelegenheiten der äußeren Politik und weiter Kreife der inneren Politik find Angelegenheit des Staates und haben mit dem Wefen der Nation nichts zu tun. Ebenfowenig aber auch erfordert Nation eine gemeinfame Wirtfchaft. In Ländern, in denen Nationen gemifcht leben, beßeht trotzdem nur eine Wirtfchaft, niemals mehrere national getrennte nebeneinander. Allerdings werden oft genug wirtfchaftliche Kämpfe den Charakter nationaler Kämpfe annehmen, da nämlich, wo die verfchiedenen Nationen innerhalb der gemeinfchaftlichen Wirtfchaft gefchfolfene foziale Schichten bilden, wie z. B. die Juden Oßgaliziens einen großen , Prozentfatz der ßädtifchen Bevölkerung ausmachen, die Ruthenen hingegen die Landbevölkerung find. Wenn hierbei außer den unver^ meidlichen Reibereien zwifchen den verfchiedenen Berufsßänden noch Kämpfe hinzukommen, die ihren Grund in dem natürlichen Wachstum der beiden Völker haben, fo wird es bald auf beiden Seiten nationale Kampforganifationen mit wirtfchaffliehen Zielen geben. Aber die find niemals notwendig als Inhalt nationalen Lebens. Die Nationen find die großen Familien des Menfchengefchlechts. Aus ihnen heraus wachfen Menfchen ähnlicher Art, mit ähnlichem Blut, ähnlicher Tradition und ähnlichem Lebensgefühl. Die Nationen find nicht Organifationen wie der Staat, fondern find Leben. Und ihr Sinn iß der Sinn alles Lebens, nämlich zu fein und zu wachfen. Wenn hier häufig von »nationaler Organifierung« gefprochen wurde, fo foll damit nur gefagt fein, daß wir unfer Zufammenleben, das durch die Zerßreuung unterbrochen ift, mit Hilfe irgend welcher Formen wiederherßellen mülfen, mit dem einen Ziel, wieder' zufammen zu fein. Ziel der nationalen Organifation iß weder Kampf noch Abwehr (obwohl auch diefe unvermeidbar find, da alles Leben

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