Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Pinner, Das Programm der Zurückbleibenden 163 paläfiinozentrifch zu entwickeln. Wir haben unterdeflen Hebräilch gelernt und warten jetzt gefpannt auf die kulturellen Offenbarungen des neuen Paläßina. Nun, unfere Geduld wird reichlich auf die Probe gefiellt. Außerdem find wir von den erfien Produkten, kulturell anfpruchsvoll wie wir find, reichlich degoutiert. Dies Bild hätte auf den zurückbleibenden deutfchen Zionißen noch vor wenigen Jahren gepaßt. Aber diefer Zioniß exifiiert nicht mehr. Auch wir in Deutfchland haben gelernt, daß der Zionismus nicht nur Zion will, fondern das ganze, ganze Volk. Was nützt uns Zion, wenn das jüdifche Volk in den Ländern der Erde ver* derbt,# geknechtet, affimiliert iß! Und darum iß es auch klar, daß unfere Arbeit hier genau fo, wie wir fie bisher geleifiet haben, weitergeht, unfere Arbeit auf Erhöhung, Befreiung, Erweckung unfres Volkes. Anfangs haben wir für diefe Arbeit, die uns immer eine Selbfiverfiändlichkeit war, merkwürdige Begründungen gefacht, da wir fie wenigßens theoretifch irgendwie mit Paläßina verknüpfen wollten. Heute willen wir aber, daß folche theoretifchen Bemühungen überflülTig find denn der Zionismus, der das ganze jüdifche Volk umfaßt, verlangt diefe Arbeit als Arbeit für die Nation. Zionismus und Nationalismus find eben heute identifch. Wir in Deutfchland Zurückbleibenden willen alfo, was. wir zu tun haben. Es gilt die Arbeit für die Erhaltung und Erhöhung der Nation, der wir uns, nachdem viele gerade der Tüchtigßen durch Abwefenheit in Paläßina gehemmt find, mit vermehrter Energie widmen müffen. Und dabei gilt es für uns nicht eigentlich, unferen Brüdern in Polen, in Galizien ufw. zu Hilfe zu kommen. Wir werden glücklich fein, unferen Brüdern "helfen zu können, wenn fie uns brauchen und uhfre Hilfe wünfchen. Unfre wefentliche Arbeit aber iß hier in Deutfchland, und fie iß die eigentlich fchwere, da fie nicht durch Kongrefle, Kommiffionen und Sammlungen geleifiet wird, fondern durch ^'perfönliches Zugreifen und perfönliches Einfpringen eines Jeden. Diefe Arbeit heißt: Nationalifierung des deutfchen Judentums. Wir haben hierin bisher recht gute Erfolge gehabt. Allerdings haben wir meifi argumentiert vom Standpunkt des reinen Paläfiinazionismus. Aber es kommt auf den Erfolg an und nicht auf die theoretifdie Begründung. Wir werden in diefer Arbeit fortfahren, unbeirrt durch die Anficht derer, die das deutfehe Judentum i verloren geben wollen. Das deutfehe Judentum iß keineswegs ver^ loren. Es ifi verirrt und heute in feiner überwiegenden Mehrzahl aller nationalen Infiinkte bar. Aber es gibt, wie im Leben des Einzelnen, fo auch im Leben eines Volkes Augenblicke der Einkehr und der Umkehr. Wir werden das deutlche Judentum zu uns zwingen, wenn wir uns nur ununterbrochen bemühen. Denn bei aller Verirrung iß das deutlche Judentum voll gefunden Lebens. Es iß an Zahl kein allzugroßer Befiandteil unfres Volkes, hat aber durch feine Lebenskraft ^und Leifiungsfähigkeit eine Bedeutung, die weit über feine Zahl hinausgeht. Wenn es uns gelingt, die deutfchen