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Der jüdische Wille · 1918-08-01 · Heft 3 (August 1918) · page 22

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 3 (August 1918)
Date
1918-08-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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162 Pinner, Das Programm der Zurückbleibenden Es fei erlaubt diefe Zeit vorweg zu nehmen. Es kann ja bald fein, vielleicht fihon in ein oder zwei Jahren! Ein Teil der deutfehen Zionißen iß nadi Pafäßina gegangen. Natürlich nur ein Teil. Es find die Mutigßen. Der größere Teil bleibt zurück. Und das find nidit immer gerade die Schlechteßen. Es gibt fo viele Gründe, die von der Auswanderung abhalten : Anhänglichkeit an Land, Sprache und Menfdhen der Heimat, Eingewöhnung in Luxus .und Großfiadt. Vielen iß es aus ökonomifchen Gründen unmöglich wegzugehen. Sie haben hier ihren Beruf, haben eine Familie zu ernähren und können nicht daran denken, ihre geficherte Pofition für eine fehr unzuverläffige einzutaufchen. Und fehr viele, die gern hinübergehen würden, wiflen, daß fie mit den KenntnilTen und Fähigkeiten, die fie fich hier erworben haben, drüben nichts an^ fangen können. Sie würden drüben fchlimmer daßehen als jeder ungelernte Arbeiter, und fie wiflen, daß Begeifierung ein Gut iß, das verfliegt, wenn nicht das Leben fonß gefund aufgebaut werden kann. All diefe bleiben hier. Es find verhältnismäßig fehr viele. Denn wenn auch ein deutfeher Delegiertentag es den deutfehen Zionifien zur Aufgabe gemacht hatte, Paläßina in ihr Lebensprogramm aufzunehmen, fo war das eben niemals etwas anderes als eine fihöne Geße. Alle die Zurückgebliebenen glauben jedoch weiterhin, ute Zionißen zu fein. Sie waren es bisher und werden es auch ünftig fein, da fie nie aufhören werden, für das zionifiifche Ideal zu arbeiten. Was werden fie tun? Sie haben als nächfie wichtige Aufgabe, die paläßinenfifthen Siedler zu fiützen. Paläßina braucht Menfchen und Geld. Opferbereiter noch als bisher werden die Zurückbleibenden ihr Vermögen zur Verfügung ßellen und werden in der Propa* gierung der Idee nicht müde werden. Aber es Icheint faß, als follte diefe Tätigkeit nicht allzu Ichwer fallen. Schon jetzt fetzt fich ein großer Teil des jüdifchen Volkes, der keineswegs zionißifch organifiert iß, für Paläßina ein. Man darf wohl annehmen, daß fich die allgemeine Sympathie für den Aufbau der jüdifchen Siedlung in Paläßina ungemein fieigern wird, fobald wir imßande sein werden, dort in großem Umfange zu arbeiten. Wenn wir bisher in der zionißifchen Arbeit auch noch nichts von der gern behaupteten Kapitalkraft unfres Volkes gemerkt haben, fo braucht man kaum zu zweifeln, daß fich jetzt die ängfilich gehüteten Schleufen auftun werden und ein breiter Geldfirom unfre Arbeit mächtig befruchten wird. Und auch um die Menfchen werden wir uns nicht allzu fehr bemühen müflen. Es werden fich viel zu viele melden und, angelockt von dem begeißernden Glanz der Idee, immer Neue , und Neue kommen. Auch aus Deutfihland, wo wir fitzen werden, froh bewegt, aus unfrer hebräifchen Zeitung vom Fortgang des Werkes zu vernehmen. Das geht faß wie von felbfi, und wir brauchen unfere Arme nur wenig zu rühren, haben weiter nichts zu tun, als uns perfönlich — wie man es vor wenigen Jahren in Deutichland wünßhte —,

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