Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Pinner, Das Programm der Zurückbleibenden 161 der Entfeh luß zu diefen Programmen nicht fo ganz felbfiverfiändlich gewefen iß. Aber diefe Entwicklung mußte kommen. Von An* fang an hat der Zionismus das ganze jüdifdhe Volk in fein Ziel einbezogen, nur diejenigen auslalfend, die fich durchaus affimilieren wollen. Als er erkannte, daß er das ganze Volk <und Volk heißt doch : die Summe der Einzelnen!> nicht nach Palältina führen könne, daß felbß die denkbar ßärkfie Ahfammlung von Juden in Paläfiina die Zahl der Juden in der Diaspora nicht merklich verringere, mußte er die Diaspora in fein Tätigkeitsgebiet miteinbeziehen. Die »Verneinung des Galuth«, die bisher der ftärkfte Vorwurf gegen den Zionismus war, ift heute aufgegeben. Nationalismus und Zionismus find heute kein Gegenfatz mehr,- denn der Zionismus in feiner heutigen Form umfaßt alle Ziele des Nationalismus*). <Selbft gegen* über dem Jiddifchen bahnt fich eine Wandlung innerhalb des Zionismus an.) Und der Nationalismus wird fchließlich gezwungen fein, feine Oppofition gegenüber der Zionshoffnung aufzugeben, wenn Zion nur noch ein Teil des jüdifchen Nationalprogramms ift. Ein Teil, aber die Krone. Zu tief fitzt im Herzen des gefamten Judentums die Hoffnung auf Zion, als daß fie jemals vergeffen werden kann. Das kann auch der extremfte zionsfeindliche Nationalift auf die Dauer nicht überfehen. Schon ift heute faft das gefamte national gerichtete Judentum darin einig, daß wir Zion brauchen als das fefte Fundament, ohne das alle Diasporaarbeit ungefichert und fchließlich hinfällig ift, als das Herz, von dem die ftarken Ströme des jüdifchen Lebens ausgehen und zu dem fie zurückkehren. Der große Körper des Volkes aber bleibt verftreut über die Länder der Erde <etwas andres iß heute nicht vorßellbar). Keines feiner Glieder ift unwichtig. Es ift notwendig, darauf zu achten und dafür zu arbeiten, daß fie alle erßarken und keines, auch nicht das geringße, zu Grunde ge^e. II Die Ausfichten, mit einer umfangreichen Befiedelung Paläßinas beginnen zu können, fcheinen heute größer als jemals in der Ge* (chicfite der Diaspora. Wir deutfchen Zionißen, die wir im Verlaufe langer hoffnungsreicher und erfüllungsarmer Jahre es gelernt haben, die politilche Situation einigermaßen klar zu durchfchauen, zweifeln heute noch immer. Und doch geht es wie ein Frühling auch durch unfre Reihen. In allen Ländern beginnen bereits fich die zu ver^ einigen, die mit der Überfiedelung ernß machen wollen. Es geht heute ein neuer frifdier Zug durch die zionifiifche Bewegung. Die Tat wird wichtiger als das Problem. Und wenn in einiger Zeit vielleicht der Ruf unferer Leitung laut werden würde, der uns heißt, nach Paläfiina zu gehen, weil die Zeit gekommen fei, fo werden aus allen Kreifen der deutfchen Zionißen, das iß nicht mehr zweifelhaft, fich viele freudig und entfchloflen zur Verfügung Bellen. •> So auch Heinrich Margulies im »Juden« 1917, Heft 9.