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Der jüdische Wille · 1918-08-01 · Heft 3 (August 1918) · page 20

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 3 (August 1918)
Date
1918-08-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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\ 160 Pinner, Das Programm der Zurückbleibenden einheitlich gerichtete Begeifierung unfrer Pioniere gaben uns die Gewißheit, daß wir in jedem* Falle zum Ziele kommen würden. Zum Ziele: aber zu welchem Ziele? Es war doch augen^ fiheinlich, daß es unmöglich fei, einen wirklich großen Teil der Ge^ famtjudenheit hinüber zu bringen. Alfo war diefe Hoffnung des Zionismus offenbar fallch. Aber, merkwürdig genug: Wir ver^ gaßen diefen Teil des zionifiilchen Programms. Wir vergaßen, daß der Zionismus verfprochen hatte, nicht nur die geiftige, fondern auch die leibliche Not des Judentums zu beheben. Das Ziel des Zionismus verengte lieh uns. Es wurde uns dort, ohne daß wir uns darüber Gedanken machten, identifih mit dem Ziel der , paläßinenfifchen Siedlung, da« einzig und allein das fein konnte: in Paläßina einen ganz neuen Grundfiock für das jüdifche Volk zu Ichaffen. Es fchien uns damals genug, in Paläßina am Neubau des jungen jüdifchen Volkes mitzuarbeiten. Damit wurden aber die Probleme der Diaspora nicht aus der Welt gefchafft. Es war deutlich geworden, daß fie durch einen ausfchließlich auf Paläßina orientierten Zionismus nicht zu löfen feien. Und an ihnen achtlos vorüberzugehen, den Blidc auf Zion geheftet, war doch unmöglich. Wer das noch nicht fehen wollte, dem wurde es durch den Krieg eingehämmert, der eine ernße Probe für die jüdifche Solidarität bedeutete. Das jüdifche Nationalbewußtfein hat lieh bewährt und wahrlich nicht zuletzt bei den Zionißen. Wir haben mit Genugtuung vermerkt und es beinahe als felbßverßändlich empfunden, daß bei dem von den ruffifchen Juden unternommenen Hilfswerk für die aus Polen vertriebenen Brüder die Zionißen in der erfien Linie Banden. Der Anfiurm der gegenwärtigen jüdifchen Not machte das alte zionifiifche Zukunftsprogramm, foweit es ausfchließliche Geltung beanfpruchte, unmöglich. Es mußte modifiziert werden, und zwar keineswegs nur unter dem Druck von außen, etwa aus Furcht, den Zufammenhang mit der breiten jüdifchen Malfe zu verlieren. Mindefiens ebenfo wirkte das fiarke National^ gefühl, das die Grundlage für die zionifiifche Weltanlchauung ge* geben hatte. Das war bisher in feiner Betätigung in der Diaspora gehemmt gewefen, durch die Thefe des Zionismus, er werde die gefamte Judenfrage löfen. War diefe Thefe als irrig erkannt, fo verlangte dasfelbe Nationalgefühl danach, fofort und hier in der Diaspora tätig zu fein, Hand anzulegen, wo es not tat, und an der Erhaltung und Erfiarkung auch des Diasporajudentums zu arbeiten. Und das galt als zionifiifche Tätigkeit! Somit iß Zionismus heute nicht mehr ausfchließlich das Streben nach der »öffentlichrechtlich ge^ ficherten Heimfiätte in Paläßina«. Zionismus iß heute wieder die große jüdifche Nationalbewegung, die alles Jüdifche umfaßt. Es mag richtig fein, daß diefe Entwicklung noch nicht abgefchlofTen iß. In den Programmen der zionifiifchen Parteien Rußlands und Polens liegt fie fertig vor, wenn man fich auch bei der Lektüre diefer Dokumente des Gefühls nicht entwehren kann, daß unferen Freunden

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