Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Ptnner, Das Programm der Zurückbleibenden 159 DAS PROGRAMM DER ZURÜCK¬ BLEIBENDEN i Bis in die Zeit vor dem Kriege galt innerhalb der offiziellen zionifiifchen Ideologie, befonders aber bei den deutfdien Zionißen, als unantaßbares Dogma der Satz, daß einzig und allein Paläßina die Judenfrage löfen würde. Nur in Paläftina fei es uns möglich, wieder ein Volk zu werden, gefund an Leib und Seele. Nur dort feien für uns die Bedingungen gegeben, im fpezififch jüdifdien Sinne geißig produktiv .zu werden. Nur von dort aus fei der heißerfehnte Aufftieg des Volkes zu erwarten, während es in den Ländern der Diaspora zur Stagnation, zur Dekadenz, zur Alfimilation, zum Untergang verurteilt fei. Diefe Gedankengänge waren fo felbß* verßändlidi, daß uns das Programm der großen nationalißifchen und gleichzeitig nichtzionißifchen Partei innerhalb des öfilichen Judentums faß unverßändlich war. Aktionen zur Befeitigung irgendwelcher dringenden gegenwärtigen Notfiände gingen, nadi der Anficht der meifien Zionißen, den Zionismus als foldien nichts an und follten vermieden werden, um die Kraft der Bewegung im Hinblick auf das große paläßinenfifche Ziel, das doch aller jüdifdien Not ein Ende machen werde, nicht zu zerfplittern. Damals wurden wir deutfdien Zioniften unangenehm berührt durch das Erfcheinen der »Freißatt«, die uns eigentlich zum erften Male mit den Ideen des nichtzionißifchen nationalen Judentums be~ kannt machte. Das, was fich dort »Alljudentum« nannte, enthielt ja, wie wir zugaben, allerhand Richtiges. Aber es war fo (charf antizionißifch Orientiert, daß wir in der uns aufgezwungenen Kampf* ßellung nur die Fehler der gegnerifchen Argumentation fahen. Auch fchien die alljüdifche Bewegung recht unbedeutend, die »Freißatt« galt uns afs ein ganz intereffanter Außenfeiter, der uns in unferer Ideologie nicht irre machen konnte. Nun kamen einige von uns als Tourißen nach Paläßina. Wir wanderten wenige Tagereifen von Norden nach Süden, ganz wenige Tagereifen von Weßen nach Oßen : da hatten wir Paläßina durchquert. Hier wurde uns zum erßen Male finnfällig, was uns Achad Haam fchon längfi gelehrt hatte: wie klein eigentlich das Land fei. Wir fahen die weiten Strecken verßeinten Bodens und mußten uns eingeßehen, daß es felbfi unter günßigen politiföhen Verhältnilfen fchwer, faß unmöglich fein müßte, dort einen großen Teil des jüdifdien Volkes in abfehbarer Zeit anzufiedeln. Und was fonfi noch alles hinzukam, um gegenüber dem Gedanken der Maflenfiedelung fkeptifth zu werden. Seltfamerweife wurden wir aber dadurch keineswegs deprimiert. Der Schwung des erwachenden jüdilchen Lebens riß uns mit, als wir zu zweifeln begannen ,• das ungeahnte Aufleben der hebräifchen Sprache, die unzerßörbare, trotz aller innern Kämpfe