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Der jüdische Wille · 1918-08-01 · Heft 3 (August 1918) · page 17

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 3 (August 1918)
Date
1918-08-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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ArCoforoff, Nationale Autonomie und Zionismus 157 wirken, die Affimilationserlcheinungen verhindern und fo ein neues, fruchtbares, fchöpferifdies Leben durch gegenfeitige Anregung von Paläftina und Galuth Ichaffen. Aber auch Achad Haam muß hier geirrt haben. Er hat aus unferem dreitaufendjährigen Beliehen gel&loflen, daß wir überhaupt nicht ßerben können, daß des Volkes Lebensinßinkt immer und überall einen Ausweg, einen Weg zu neuem Dafein finden muß. Das iß eine Rechnung mit irrationalen Zahlen. Das Volk der Diaspora als ein Volk kann nicht leben bleiben. Seit das Ghetto, feit die Religion und das Gefetz, das »uns auch außerhalb der normalen Nationalgrenzen in Abfonderung erhalten und in der Zerfireuung als Einheit: als Volk im Volke, als Staat im Staate 5gebunden hat«*) im Schwenden begriffen iß, verliert auch das udentum in Galuth täglich mehr und mehr an Boden. Auch wenn das Kulturzentrum in Paläßina entßeht, geht die nationale Diaspora unter. Schon heute iß felbfi das, was wir bewußtes, nationales Judentum nennen, was alfo den Kern der jüdifchen Kulturgemeinfchaft bilden follte, vielmehr eine »Manifefiierung des Willens . . . ., wenn nicht bloß ein tatenlofes Sehnen und Wünfchen«*). Sollte da das junge jüdifche Paläßina die »mag^ netilchen« Aufgaben erfüllen können, die nicht einmal das unver^ gleichlich, fiärkere Deutfchland den Millionen feiner Bindefirich* Nationalen gegenüber hat erfüllen können? Wird nicht vielmehr das kulturell zerriffene Galuth hinter dem mächtig auffirebenden Zentrum zurückbleiben, ohne folgen zu können? Wird nicht vielmehr, wenn der wahre, echte Jude, der hebräilche Paläfiinenfer als der Jude auferßehen wird, alles Scheinjudentum, Trotze, Noch^, Halb^, Bindefirich^Judentum ßürzen und untergehen? Ja, nicht nur, daß das Zentrum in Erez Israel die Aflimilation nicht aufhalten wird — es wird den Untergang der Diaspora, die Agonie des Pfeudojudentums befchleunigen und beenden. Und fo konzentriert fich unfere Zukunft und der Bau unferer Zukunft auf das Land, das unfer werden muß, wenn wir das Leben eines Volkes leben wollen, und fo mülfen wir die ganze Fragefiellung verfchieben mit dem Blick auf Paläßina. Wie ßeht der Zionismus nun zur Autonomieforderung für Paläßina? Der oberflächlichfie Befihauer wird erkennen, wie ganz anders da die Dinge liegen. Paläßina iß unfer Territorium, hifiorifdi betrachtet, und wird es immer mehr, faktifch. Die heute gefthaffenen Grundlagen beweifen bereits, daß wir dort ein volks^ wirtfihaftlich gefchloffenes Ganzes bilden können und werden. Unfere Arbeit iß die Arbeit <oder richtiger: kann die Arbeit werden). Das Recht iß unfer Recht. Iß doch seit dem Geburtstag unferer erften Kolonie noch kaum ein Streitfall vor den türkifchen Richter gebracht worden. Unfere Sprache iß die Sprache, die Sprache des *> Jakob Klatzkin, Grundlagen des Nationaljudentums (Der Jude, I. S. 683)

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