Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Arfoforoff, Nationale Autonomie und Zionismus kommen ließ und das Land geiftig von den übrigen Gebieten jüdifdier Maflenfiedlung abhängig machte. Was nun eintritt, fobald in Rußland und Polen alle gefetzlichen Schranken fallen werden und die gefellfchaftliche Lage der galizifchen Juden lieb einigermaßen, fo gutes eben geht, belfern wird — was wir hoffen —, ift ebenfo klar wie der autonomiftifchen Theorie entgegenweifend. Die Mafien werden fidi über die gefamten Flächen des ungeheuren ruffifchen Reichs und der Donaumonarchie, und zwar in die Großftädte hin, zerftreuen, Petersburg, Moskau, Wien, Kiew werden zu »nationalen Zentren« werden. Dadurch wird erftens die kulturelle Kraft der Malfenfiedlungsgebiete zerfplittert, vielleicht getötet. Dann wird das nach den Großftädten zuwandernde Proletariat zur Akkulturation gezwungen, wie diefer Fall z.B. in New York eingetreten ift, trotz der dort herrfchenden kulturellen Freiheit. Andererfeits wird der Konzentrationsgrad in den Städten, befonders bei ihrer räumlichen Ausdehnung und der Möglichkeit einer rafcheren fozialen Umfchichtung <dem fogenannten »Zug nach dem Weften«), kein genügender fein, um ein nationales Milieu mit genügender Erzieh ungs- und Lebenskraft zu fchaffen. Unfchwer erhellt denn aus alledem, in welch grellem Mißverhältnis Vorteile und Nachteile unferer kulturellen Selbftverwaltung unter den ungeheuer komplizierten Umftänden der Gegen* wart zu einander ftehen müßten, und damit ift der letzte Punkt, der die nationale Autonomie des Galuthjudentums begründete, aus rein realiftifchen, foziaU und kulturpolitifchen Urfachen heraus gegen* ftandslos geworden. Zu unterfuchen aber bliebe noch die theoretifche, prinzipielle Stellungnahme des Zionismus zu der Autonomieforderung, die im politifchen Kampf des Galuthnationalismus gegen den Zionismus die Hauptrolle gefpielt hat und die ihre Formel gefunden hat in dem Schlagwort »Verneinung des Gallith«. III Aus feiner tiefften Erkenntnis heraus verneint der Zionismus die Diaspora. Er hat erkannt, daß die fozialen Umwälzungen, die Verfihiebungen der kulturellen Einflußfphären, die notwendig wären, um ein nationales Leben in der Diaspora zu ermöglichen, utopifch find, und fucht daher feine Zuflucht in der Rückkehr zu dem hiftorifch jüdifchen Territorium, das allein die notwendige Gefundung des Volkslebens tragen könnte. Diefe Erkenntnis treibt den heroifchen Zionismus der Herzlperiode zu konfequenter Erhaltung feines genial großzügigen Rettungscharakters und infolgedelfen zur Ablehnung einer Galutharbeit überhaupt. Diefes erwägend, verneint Achad Haam die Möglichkeit einer Löfung der jüdifchen Frage <die für ihn lediglich eine Po/ßstumsfrage ift> in der Diaspora und findet fie außerhalb deren Grenzen: in Paläftina. Durch die Bildung des geiftigen Zentrums will er befruchtend und kulturell konzentrierend auf* die ganze Peripherie der Diaspora