Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1918-08-01 · Heft 3 (August 1918) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 3 (August 1918)
Date
1918-08-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2827066-2827067-2827071--0169-2827268
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Arfoforoff, Nationale Autonomie und Zionismus 155 Bildungsdrang und Wiffensdurft der Juden, dem überall ßark wir* kenden fremden Milieu, die Äußerungen der eigenen nationalen Kultur von heute gegenüber, die in der Philofophie nodi faß nicht vorhanden, in der bildenden Kunfi recht unbedeutend find und in der Literatur, wenn audi fihon fortgefihritten, dennoch lange nidht das ganze moderne Leben und feine Entwicklungen konzipieren, dann wird man klar erkennen, wohin uns die nationale Autonomie führt, Sie iß der grade Weg zur Alfimilation. Und deshalb kann Opperiheimer fo guten Gewilfens fagen*), daß es auch für die Polen, wenn fie die Juden ihrer Kultur alfimilieren wollen, kein belferes Mittel gibt, als ihnen die kulturelle Selbfiverwaltung zu übertragen. Es wäre fallch, die foeben angedeuteten Alfimilationser* ftheinungen als allgemein für das jüdilche Diasporaleben giltig und nidit erß durch die Autonomie bedingt zu bezeichnen. Heute iß die jüdilche Nationalität innig und unzertrennbar verbunden mit der fpezififchen Form ihrer Kultur, der israelitilchen Religion. Heute iß überall, wo unfer nationaUreligiöfes Leben pulfiert, Jude und Nichtjude haarfcharf von einander getrennt, und keine Brücke verbindet die beiden Ufer. Erkennt man aber eine Zweiheit, eine nationale und eine religiöfe Möglichkeit des Jüdeweins an — und man er* kennt fie an mit dem Tage der Übernahme nationaler Autonomie —- gibt man den jüdifchen Mafien die Möglichkeit, als Religionsgemeinkhaft Tradition und Gefetz zu wahren und gleichzeitig national . einer anderen als der jüdifchen Gruppe anzugehören, fo werden die Übertritte, die ja durch ein einfaches Umßhreiben des Namens in den nationalen Katafiern vor (ich gehen, fich maßlos mehren. Es mag möglich fein, daß Einzelne, ethifch Hochßrebende, idealifiiftji Beg&ßerte fich den Einflülfen der bodenßändigen, urwüchfigen Umgebung werden widerfetzen könnendie breiten MalTen aber, die dazu ökonomilch an die fremden Kulturen gebunden find, können ihnen auf die Dauer nicht ßandhalten. Und grade in dem Falle, da das Gegenteil beabfichtigt iß, wird das jüdifche Volk des Oßens den Weg der Wefijudea gehen. Dazu muß man hypothetifch einen Faktor rechnen, der die Erhaltung des jüdifchen Volkes im Oßen überhaupt aufs fchwerße gefährden kann. Es iß dies die Konzentrationsveränderung der. ofijüdifchen Mafien, die ohne Zweifel nach dem Kriege zu fpuren fein wird. Bisher war durch die Ignatiew^Gefetzgebung die jüdilche Bevölkerung Rußlands, nach Millionen zählend, in den Anfiedlungs* rayon zufammengedrängt und fo konnte hier durch das gepreßte Zufammenleben in den Städten ein Surrogat nationalen Lebens entßehen, * das wenigfiens keine kulturelle Abfpaltung zuließ. In Galizien trat an die Stelle * der Zwangskonzentration die foziale Verelendung, die überhaupt keine höheren Lebensregungen auf* *> a, a. O.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.