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Der jüdische Wille · 1918-08-01 · Heft 3 (August 1918) · page 13

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 3 (August 1918)
Date
1918-08-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Arfoforoff, Nationale Autonomie und Zionismus 153 oder find. Der fowohl feiner Ausdehnung wie feiner Kulturkraft nach bedeutendfie von ihnen iß das aus dem Mittelhochdeutfchen hervorgegangene Jiddifch. Es wird von etwa 9 Millionen Juden im Oßen und in Amerika gefprochen und hat audi eine Literatur ge* fchaffen, die felbfiverfiändlicn Chon in ihper formellen Nicht*Ganzheit den Stempel des Galuth trägt. Dennodi wird diefes Jiddifdi von einem Teil des jüdifchen Nationalismus als eine, von manchen Radikalen als die Nationalfprache der Juden proklamiert, die allein (chon unfere nationale Exißenz begründe. Und mit ihm kämpft <las Hebräilche, kämpft der Zionismus. Wir find nicht Zionißen, weil wir zufällig als Juden geboren find, diefe Juden zufällig einen •deutfch^jüdifchen <ebenfo möglich arabifch^jüdifchen, fpanifch*jüdifchen> Jargon fprechen, und deshalb zufällig eine Nation bilden, fondern wir find Zionißen, weil wir uns als lebende Glieder einer unendlichen Kette von Gelchlechtern fühlen, deren Ausgang und Ende Zion bildet und die gemeinfam die jüdifche Gefchichte darfiellen. Wir können die Exißenz des jüdißhen Volkes nicht vom Tage der Gründung des »Bundes« datieren, fondern wir kämpfen für die Kontinuität unferer Kultur von den Tagen der Bibel an, über Talmud, Juda Halevi, Kabbala, Chaffidismus hinweg, bis hin zum €rwachten nationaleil Schaffen eines Bialik und Achad^Haam und darüber hinaus bis zum erwachenden hebräifchen Paläfiina. Alles Andere iß Epifode. Wir kennen keine Kompromifle, wo es fich , um die Zukunft unferer Kultur handelt, wir dürfen fie nicht kennen. Das Jiddifche kann dem Hebräifthen weder Rivale noch Verbündeter, kann dem hifiorifch Denkenden nur ein Fremdkörper fein in unferer originalen nationalen Kultur. Es muß überwunden werden. Das haben wir redlich verfucht, und wir haben in hartem Kulturkampf dem Jiddifdfren Boden abgerungen. Was aber gefchieht, wenn wir durch die Autonomie ein Schulfyfiem mit jiddifcher als nationaler Sprache bekommen? Das Jiddifche hat nur fo lange volkstümliche Kraft, Kulturkraft, als es gefprochen im Munde der Millionen lebt. Es geht unter, fobald es aufhört, fo zu leben. Es hat weder die Tradition noch die hiftorifche Größe, die das Hebräifche durch die Jahrtaufende erhielten. Das willen alle Jiddifch^Natiönaliften, und daher ihre Bemühungen um die Autonomie. Dürfen wir Zionißen ein jiddifches Schulfyfiem <das der heutigen Wirklichkeit nach allein möglich ifi> mitbauen und fördern? %Dürfen wir Zionißen, anfiatt die Ewigkeit und Einheit unferer Kultur zu bewahren, zu ihrer Spaltung und Fälfchung beitragen? Aber felbfi eine — utopifche — Einigung in diefer Grundfrage bedeutet nur die LöfMng eines Konflikts aus der Reihe derer, die uns die Autonomie aufbürdet. Ifi doch unfere fozialfökono* mifche Lage eine fo anormale, daß uns die nationale Sprache als Schulfprache gar keinen Nutzen bringt. Wir rufen uns einmal den grundlegenden Abfatz der öfterreichifchen VerfafTung ins Gedächtnis zurück. »In den Ländern, in denen mehrere Volksfiämme zufammen

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