Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Löwen/fein, Gegenwartsarbeit in der Diaspora 145 man etwa die Juden Galiziens die nationale Autonomie fordern hört. So gewinnt die neue Brofchüre »Nationales Selbfibeftimmungs* recht der Juden in Polen« ihre Bedeutung, die Dr. Rofenfeld ver* öfFentlicht hat und die die Anwendung der Rennerfchen Forderungen auf die Juden enthält. Rofenfeld, der zu den Poale Zion gehört, hält fich durchaus von einer fklavifchen Anlehnung an Renner fern. Er betont mit Recht, daß durch keine Autonomie für die Juden die Ungunft der Lage befeitigt werden, kann, die daraus refultiert, daß Tie überall eine Minderheit dar (teilen. Dennoch iß das wichtigße Mittel, um ihre politifche Stellung zu fiebern, die nationale Autonomie in der von Renner vorgeschlagenen Form der perfonalen Autonomie. Die lokale politifche Gemeinde, in der Renner die. unterfie, zugleich wichtigße Stelle des zu fchaffenden nationalen Organismus fieht, wäre bei uns Juden die K'hilla, die in ihrem Kern ßets eine nationale Organifetion war und als folche ja auch zur Zeit der Vierländerfynode im alten Königreich Polen <waad arbahaarazöth) fungierte. Die Gemeinden wären zu Kreisverbänden, diefe zu einem Reidisverband zufammenzufchließen. Es wäre hier die Frage der nationalen Autonomie zum erfien Male theoretifch gelöfi. Auch die Stärkung der wirtfeßaftfießen Widerftancfskraft des jüdifchen Volkstums im Oßen wird heute verfucht. Die umfangreiche, feit Kriegsbeginn geübte Hilfstätigkeit wird fortgeführt, daneben aber verfucht man in fieigendem Maße das wirtfehaftliche Material zu fammeln und wiflenfehaftlich zu bearbeiten, um die Pläne auszuarbeiten, nach denen nach dem Kriege der wirtfehaftliche Wiederaufbau der zerfiörten jüdifchen Wirtfchaft im Oßen vorzunehmen fein wird. Und wie Zionißen nicht nur die Theoretiker, fondern auch die anerkannten Führer im Kampf um die politifchen Rechte der jüdifchen Mafien find, fo iß es auch die zionißifche Organisation, die durch Errichtung befonderer Abteilungen für foziale Arbeit fowohl in Berlin wie in Warfchau und Wilna, vermutlich bald auch^ in Galizien, diefe fo wichtige Gegenwartsaufgabe zu löfen unternommen hat. Vorläufig freilich find die Verhältniffe in allen Ländern des Oßens noch fehr weit von dem Zufiand entfernt, der auch nur den mindefien jüdifchen Forderungen genügen könnte. Der Aus* einanderfall des großen ruffifchen Reiches iß für die Juden nicht vorteilhaft. Anßelle von fechs Millionen ruffifcher Juden haben wir jetzt polnifehe, litauifche, finnifche, ukrainifche und großruffifche Juden und werden vielleicht bald auch Don^Juden, Kaultafus-Juden und Juden Sibiriens haben. Es ifi klar, daß alle diefe Teilungen ebenfo viele Schwächungen des jüdifchen Einflufies bedeuten. Zwar in Großrußfand felbfi ifi die Gefialtung der jüdifchen Verhältniffe ä nicht ungünfiig, obwohl die Juden aller Parteirichtungen zu den * Bolfchewiki in fcharfem Gegenfatze flehen und dadurch manchesJzu leiden haben. Anflatt des alljüdifchen Kongreffes,. der bei den allgemeinen Verhältniffen nicht ftattfinden kann, ift ein jüdifcher