Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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K,}. V.«er«Fe.ldhriefe Ml '.umdes..; allgemeinett <Unficfterheit zu Beuern. Die rufTüchen Soldaten -verichwanden in; Sammellager/ das Ver« fammlungsjecht wurde aufgehoben, felbft •Gottesdienfte bedurften vorheriger Ge« «ehmigung/ die Zeitungen wurden ein* gezogen. . Das große Regiftrieren und Rationieren begann. Mitteteuropäifche Zeit wurde eingeführt, der Rübelkurs auf eine Mar,k herabgefetzt. Und dann wurden die Straßen gefäubert! Nadi und nach hat man die Zügel etwas!'lockerer gelaufen/ wir find ja als Freunde gekommen und' es herrfcht nunmehr Frieden. Die Zivilbevölkerung därf fich; mit dem Längerwerden der Tage bis 9 Uhr draußen bewegen. Aber fchon vorher hatte man auf eines .nicht vefrichtet: auf den alfabendlichen Bummel von 5—7 Uhr in der Peters« bürget Straße, jetzt in den Park ver« legt, und am Schabbes«Nachmittag auf den Düna«Damm* Das Gefchäftsfeben hat wieder voll eingefetzt, der Rubel ift geftiegen. Man findet fich in die deutfche Befetzung. Die Berichte von den Greueltaten der Bolfchewiki haben /ich alsLegende erwiefen:, es waren kepie deutfchen Gefangenen lebendig verbrannt und . keine Barone gefpießt worden. Eine gewifle Unficherheit hatte .geherrfdtf,, s dafür aber auch größere Freiheit. Besonders für die Juden. Die Dünaburger Juden find im allgemeinen wohlhabende Leute, s Ihre Zahl betrug im Frieden ungefähr 50000, d, i. 45° o der Gefamteinwohnerfchaft. Diefer entfprediend ift auch die Ziffer der Juden gefunken. Die deutfche Kommandantur hat die revolutionäre Stadtduma, in der den Juden die Hälfte der Stimmen gehörte, aüfgelöft und durch Ernennung eine neue Duma ge« bildet, die nun aus 14 Deutfchen, 14 Polen, 13 Ruflen, 10 Juden und <6 Efthen befteht. Oberbürgermeifter und Bürgermeifter find die Deutfchen Koritz und Minus, zwei Bankdirektoren, die unter der ruflifcfcen Regierung flüch* ten mußten und nun zurückgekommen find. Sie ftehen nicht gerade im Ruf befonderer Judenfreundlichkeit. Unter den berufenen vier Stadträten befindet fich «in Jude, der alTimilantifche Apotheker Fain. In Friedenszeiten herrfchte hier -ein bedeutendes jüdifches Leben. Der Dwinsker Row ift eine in Rußland an* erkannte Talmud*Autorität* Schräg meinem Qyajrtier gegenüber kann ich am Aushängefchild eines Klublokals das »Proletarier, vun alle Länder, vereinigt fich!« des fozialdemo« kratifdien »Bund« lefen. Jetzt hat ihn die Kommandantur verboten, er lieht in bolfchewiftifchem Rufe. Dasr Ober* walTer in Dünaburg Jhatten bis zürn Krieg und zur Revolution die Ortho** döxen <KnelTeth Jifrael). Das öffent« liehe. jüdifche Leben - aber wurde be« ßimmt durch den Parteikampf zwifchen den Zioniften und den Sozialilten. Un« geachtet der inneren Gegenfätze zwi« fchen Bund, SS. und Volksfozialiften war man fich in der Befehdung der Zioniften einig. Diefe gliedern fich hier in Zeire Zion* und Allgemeine (bürgere liehe) Zioniften/ die Zahl der letzten ift gering. . Ihrer Stärke nach rangieren die jüdifchen politifchen Parteien fo: Zeire Zion, Bund, Sejmiften, Allge« meine Zioniften, Volksfozialiften. Im Dünaburger jüdifchen Sowjet überwogen die Bundiften .mit 20 Stimmen gegen 2- Zioniften. Hier wirkte die Propaganda des Internationalismus ftark auf die Soldatengemüter, wie im Peters* burger Sowjet. Bei den Wahlen zum jüdifchen Kongreß — die jüdifchen Wahlplakate und Stimmzettel zur »all« rußlendifchen jidifchen Zufammenfohr« kleben noch an allen Straßenecken — hätten jedoch die Zioniften vier Depü* tierte gegen einen Orthodoxen, zwei Bundisten, einen SS. erhalten wären nicht die Deutfchen eingeruckt. Die deutfche Verwaltung hat die Zu« fammenkünfte der Zeire Zion genehm migt. In Anbetracht der augenblicklichen Lage muß aber jede politifche Tätigkeit zurücktreten. Dafür wird um fo inten« fiver geiftig^kulturelle Arbeit geleiftet. Durch häufiges Zufammenfein mit diefen begeißerten jungen Juden habe ich Ge« legenheit, diefe Arbeit genauer kennen zu lernen. Sie mit den Formen unferer Betätigung bekannt machend, freue ich mich, zum erften Male in diefem Krieg, wieder pofitiv wirken zu können. Denn trotz des glühenden Eifers, der die Zionsjünger befeelt, trotz eines ge« diegenen jüdifchen Willens, das zu er« werben auch bei ihrem elementaren jüdifchen Volksleben erheblicher Be« mühung bedarf, ja, trotz einer fchon in vieler Hinficht erfolgreichen Arbeit, haften der Bewegung Mängel an, die Ihre Refultate dezimieren; )a, wteUch