Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- – (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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K.J,V*er-Feldbriefe beobachten konnte, unter Umltänden lahmfegen. Damit meine ich das voll* Itändige Verfagen in betreff fyftema* tifchen difziplinierten Wirkens. Es dürfte fchwer fein, einem Zeire*Zions* Nachmittag durch Schilderung gerecht zu werden. Hier platzen perfönliche Unftimmigkeiten, fachliche Meinungs* verfchiedenheiten mit unverhältnis* mäßiger Schärfe aufeinander. Und die Aufgeregtheit der Diskutierenden, der Mangel einer fetten Leitung bringen fie um die fchönften ErgebnilTe. Ähnlich zer* fplittert auch manche praktifche Arbeit. Körperliche Betätigung fehlt gänzlich. Demgegenüber aber foll auch die Intens fität betont werden, mit der in Vortrags* ferien, Abendkurfen ufw. dem einzelnen Inhalte übermittelt werden, deren Reich* haltigkeit, Lebendigkeit und interelfierte Aufnahme unferen fchlummernden Orts* gruppen zurAnfeuerung undNacheiferung dienen könnte. Vor allem aber will ich die Wärme hervorheben, mit der hier jeder gleichgefinnte Jude, auch der aus dem aflimilierten Welten, aufgenommen wird. Das Vertrauen auf die Wahrheit und das Gelingen unferer nationalen Sache wird geftärkt und richtet fich auf an diefer durchaus volksumfaflenden nationalen Gefinnung einer begeißerten und arbeitsfrohen Jungmannfchaft. Diefem Volksgeift näherzutreten hatte ich letzthin Gelegenheit. Es befteht ja die betrübende Tatfache, daß wir Weft* juden unferes eigenen Volkes Geilt er/t fezteren und wie tote Wifienfchaft ftu* dieren müflen,um weitergeben zü können, fo und ebenfo ift die Belchaffenheit unferes Nationalcharakters und unferer Eigen* tümlichkeiten. Vor einigen Tagen ver* anftaltete der Klub Zeire Zion zur Sicherlteilung feiner Finanzlage <die Bei* träge gehen jetzt Ichlecht ein) einen jüdilchen Theater* und Unterhaltungs* Nachmittag. Zuerft gab man »Mit dem Strom« von Schalom Afth, anfchließend die Komödie »Zum erften Mol« von Rafalowitlch. Wenn es auch eine Dilet* tantendarltellung war, die Wirkung auf die Zuhörer, mehr noch auf mich, war gewaltig. Von der Bühne her begreift man erft recht, daß auch diefer Jargon eine lebenskräftige, fchöne Sprache ift und daß feine Literatur in ihrer urwüchfigen Kraft Volksgut, jüdifche Kultur ift, Anfchließend fand die amerikanifche Verlagerung eines gebackenen Kuchen- Magen*Dawids ftatt. Er kam auf 445 Rubel, eine erltaunliche Leißling. Den meilten Erfolg jedoch hatten , die zwei nun folgenden lebenden Bilder: Beider Landarbeit und Ruhe nach der Landarbeit in Erez Israel. Sie trugen dem Spielleiter Blumen und tofenden, langen Beifall ein,- (türmifches Hedad rief ihn wiederholt vor den Vorhang, um lieh den anwefenden zwei taufend Begeifterten zu zeigen. Möchte ich bald wieder Gelegenheit haben, an einer ähnlichen Veranftaltung teilzunehmen. Ach, möchte ich fie bald in Deutlchland haben. Georg Landauer Buchdruckerei Wilhelma R. Saling r<Sd Co., Berlin SW 68, Hollmannftraße 10