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Der jüdische Wille · 1918-06-01 · Heft 2 (Juni 1918) · page 67

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 67)
Language
German
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K.J.V.-er-Feldbriefe 135 K.J.V.-ER-F Galizien, den 31. Dezember 1917 Daß ich wieder zu meinem Trupp zurüdtgekehrt bin, wirft Du ja wohl ge* hört haben. Es tat mir leid, daß ich Dich nicht noch einmal fprechen konnte. — Ich traf meine Batterie noch einmal in der alten Stellung, doch wurden wir ganz plötzlich und überstürzt abgelöst und liegen feit einigen Tagen hier in der Nahe von Zloczow und warten auf unferen Abtransport. Die Gelegenheit benutzte ich dazu, erftmalig im Kriege <und abgefehen von meiner Palästina* reife überhaupt im Leben) etwas Kontakt mit unferen Brüdern zu gewinnen. Ich bin ziemlich deprimiert, aber nicht über das, was ich fah, fondern über mich. Ich kam Freitag Nachmittag zu fpät nach Zloczow. Der Gottesdienft war fchon beendet/ es waren nur noch Gruppen da, die »lernten«. Als ich die Schul betrat, trat ein eifiges Schwei* gen ein, ja ich glaube Beftürzung in den Gefichtern gelefen zu haben. Mir ftieg das Blut ins Geficht. So fremd bin ich alfo, daß fie mich trotz meines kräftigen Scholem alechem nicht erkannten? Ich ging an eine Gruppe heran und fagte, meine ganzen jüdifchen KenntnilTe zufammennehmend, daß ich als Jude das Bedürfnis gefühlt hätte, den Schabbes mit Juden zu verbringen, einmal wieder unter meinesgleichen zu fein. Ich weiß nicht: traute man mir nicht oder getraute man fich nicht, zutraulich zu mir zu fein, mich einzuladen oder der* gleichen,- jedenfalls konnte ich, fo fehr meine Seele darnach dürftete, nicht mit ihnen zusammenkommen. Und ich ging fehr bedrückt fort und befchloß, es am nächften Tage noch einmal zu verfuchen/ Ich war am Schabbes pünktlich um 8 Uhr da, und da änderte fich das Bild fchon erheblich. Ein Herr Carfunkei, bei dem ich mich am Freitag erkundigt hatte, wo die Schul fei und mit dem ich mich fchon am Freitag Vormittag nett unterhalten hatte <ich hatte ihm von Palältina erzählt), erkannte mich und führte mich alsbald zum öfter* reichifchen Feldrabbiner, einem prächtigen älteren Herrn, Misrachift. Ich erhielt eine Lihe, und als ich fie nicht in der üblichen deutfchen Weife fagte, fondern in dem Nigen, den ich aus der Leffing* ftraße kenne, glaubte ich zu bemerken, wie die Stimmung freundlicher wurde. Leider wurde ich auch Sonnabend nicht in eine Familie eingeladen, obwohl ich dielen meinen Wunfeh dem Rabbiner deutlich zu verliehen gab. Aber ich hoffe auf nächften Schabbes, wenn wir noch hier find, denn ich benutze die Tage dazu, mit einzelnen Menfchen zu* fammenzukommen. Was mich deprimiert hat, ift das Ge* fühl, daß wir deutfchen Zioniften eben tatfächlich noch immer durch eine Mauer von den Oftjuden getrennt find. Ich bin nicht einmal imftande gewefen, dem Gottesdienft richtig zu folgen. Nach nunmehr achtjährigem Zionismus eine Schande, die mir die Schamröte ins Ge* ficht trieb. Nach der Schul ging ich zu dem Rabbiner und plauderte noch ein* einhalb Stunden mit ihm in einem un* geheizten Zimmer <er erlaubte nicht, daß am Schabbes Feuer angezündet . werde). Er freute fich, einen, wie er fich ausdrückte, »anftändigen deutfchen Juden« kennen zu lernen. Er aß in einem kofeheren Reftaurant zu Mittag, und ich ging auch dorthin, weil ich mich von ihm und dem jüdifchen Milieu nicht fo fchnell trennen wollte. Ich wäre ja fo glücklich gewefen, wenn ich am Tage vorher, Freitag Abend, von der Exiftenz dieses Reftaurants etwas gewußt hätte. Von dem .... rabbiner Dr. . .bei dem wir zu Chanukah einen fürchter* liehen Gottesdienft hatten, wüßte ich nette Dinge zu erzählen. Er ift Sabbath früh mit dem 9 Uhr Zug in .... ein* getroffen, hat im Offizierskafino Treife gegeflen ufw. Auf Vorhaltungen hat er geantwortet »das sei er seinem Stande schuldig« (offenbar ift der Offiziersftand gemeint). So etwas ift durchaus geeignet, dem deutfchen Juden* tum Achtung zu verfchaffen! Da augenblicklich viele deutfehe Di vi* fionen hier liegen, habe ich angeregt, am nächften Freitag einen Feldgottes* dienft zu machen mit anfehließender Freitagabend*Feier. Da der Rabbiner es für unmöglich erklärte, alle Soldaten in Familien unterzubringen, ftehe ich mit dem Hotel wegen eines nicht zu teuren Abendbrotes in Unterhandlung. Hoffentlich gelingt es mir, dies züftande zu bringen. Pein Woffftein ,

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