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Der jüdische Wille · 1918-06-01 · Heft 2 (Juni 1918) · page 64

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 64)
Language
German
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132 Einzelheiten Das Scheitern der Verßandfungen zwifchen denjüdif&znjugendverßänden Deutfcßfands. , Das Scheitern des Ver* fuchs, eine fogenannte »Verftändigungs* gemeinlchaft« zwifchen den jüdifchen Ju* gendverbänden Deutfchlands zu fchaffen, braucht uns keine Träne zu entlocken. Gar zu gern hätte mancher reifere »Jugendliche« den Großen ihre Viod nachgemacht. Aber die Viod ift nichts als ein politifch*rechnifches Inftrument und mag als folches hingenommen wer* den. Sie konnte, abgefehen von allem anderen, fchon deshalb nicht zum Mufter für Beftrebungen der Jugend dienen, weil der Jugendarbeit politifche Ten* denzen und Methoden fern liegen, fie vielmehr ausfchließlich nach littlichen, erzieherifchen Gelichtspunkten zu orientieren ilt. Die Jugend zum Objekt macht* politilcher Beftrebungen und diplomati* feher Aktionen zu machen, verriete einen Mangel an Einficht und Verantwortlich* keitsgefühl. Solche Motive haben denn auch wenigftens den Zioniften, die dem Apfelfchen Verfuch ihre Sympathien nicht verfagen wollten, fern gelegen. Der beachtenswertefte zioni/tifche Ge* fichtspunkt, der zu Gunften des Eini* gungsverfuchs angeführt wurde, war der, daß uns in einem größeren Kreife größere Propagandamöglichkeiten offen ftünden. Wer das glaubt, verkennt nur, daß die anderen lieh recht fehr hüten würden, ihr^unfchuldigen Kinder unferenSirenen* klängen auszufetzen. Von der wirk* liehen jungen Mannfchaft der anderen bekämen wir auf diefem Wege nie etwas zu fehen. Unfer Publikum fähe nie wefentlich anders aus als in jener Sitzung, in der nur folche Vertreter er* fchienen waren, die feit langem gegen jede zioniftifche Infektion vollkommen immun find. So und nicht anders wäre auch der allgemeine Jugendtag befetzt, der von zionifttlcher Seite vorgelchlagen wurde. Die Liberalen und Orthodoxen rea* gierten auf das Apfelfche Projekt noch ablehnender als wir — die Orthodoxen mit einer Fettigkeit und in dem Gefühle einer Autarkie, die manchem Zioniften zu wünfehen wären. Tatfächlich hatte ein Interefle an dem Zuftandekommen denn auch nur der Verband der neutralen Jugendvereine. Es lohnt fich, deflen Motive etwas näher zu beleuchten — als eine Lehre für künftige Fälle, die vielleicht nicht ausbleiben werden. Die neutralen Jugendbünde führen ein ziemlich kümmerliches Dafein. Das Prin* zip der Neutralität hat feine Unfähig* keit, Leben zu erwecken, erwiefen. Nur Doktrinäre wie Cora Berliner, deren pädagogifches Talent mir ihrer Beherr* fchung der pädagogifchen Literatur kei* neswegs gleichzukommen fcheint, ver* mögen noch an den erzieherifchen Wert der Neutralität zu glauben. Apfel wollte mit einem großen Coup feiner erlöfchenden Schöpfung neues Blut zu* führen. Linter dem Protektorat der neutralen Jugendbünde follten fich alle Parteien friedlich zufammenfinden und damit implicite das Prinzip der Neutra* lität als das übergeordnete anerkennen. So wäre eine großartige Rechtfertigung diefes Prinzips und ein wirkfames Werbe* mittel für den Verband gefchaffen worden. Wie beftechend würde auf den lebensunkundigen jungen Menfdien, der in der Teilung in Parteien von vornherein nicht den Ausdruck kräftigen Lebens, fondern einen Schaden erblicken mag, der Hinweis wirken, daß unter den mütterlichen Fittichen der Neutra* lität fich all die kleinen »Grüppchen« zufammengefunden hätten, daß dem Neu* tralen die Welt offen ftehe und daß er nicht in der Kleinftaaterei einer be* ftimmten politifchen Überzeugung be* fangen fei. Denn natürlich weiß der junge Menfch, an dem wir unfer Er* ziehunf swerk erft zu vollbringen haben, noch nichts von dem fittlichen Werte der Entfcheidung. Er weiß nicht, daß er mit dem Bekenntnis zur Neutralität, mit dem Verzicht auf eine den Menfchen ergreifende Entfcheidung fich felber des einzigen feiten Punktes beraubt, von dem aus ein Jude heute zur Welt Stellung zu nehmen vermag. Noch ein* mal hätte Apfel damit feiner invaliden Organifation auf die Beine helfen kön* nen, und beinahe wäre feine Gefthick* lichkeit belohnt worden. Weil Apfel aber nichts als gefchickt ift, deshalb mißlang sein Verfuch. Man kann an diefem Fehlfchlag erkennen, daß das öffentliche Leben der deutfehen Juden* keit immerhin doch Fortfehritte gemacht hat. Von fachlichen Intereflen und Über*

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