Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Briefen des gefallenen K.J,V>ers F 131 Neulich habe ich neben meinem Dienß beim Landgericht noch» einem Rechtsanwalt geholfen, um ein paar Monate lang Geld zu verdienen und mich in Arbeit völlig unterzutauchen. Dabei habe: ichgefehen, daß der Anwalfsberuf dorn beträchtlich weniger fpezififch** jurißifche Tätigkeit verlang^ als der Richterberuf. Demnach werde: ich wohl Anwalt werden. - Sonft lebe ich ganz befchaulich <neulich habe ich wieder acht Wochen lang Soldat gefpielt). Ich bewohne ein chambre garni, wie: Du wohl weißt. Im übrigen lebe ich nach eigenem Gefchmack bei ein paar Büchern — und einem fehr, fehr lieben Mädchen. Es iß mir, dem es fonß in fo langen Studienfemeßern nie gelang, über Intellektualität, Reflexion und Kritik hinweg den felbfivergeflenen Weg zu einem Mädchenherzen zu finden, noch folch ein fchönes. Spätfrühlingsglück zuteil geworden: eine ganz feltfame Begegnung mit einem gar nicht alltäglichen Gelchöpf, wie ich es brauchte, ganz fenfitiv, ganz Pflanze, ganz vegetativ, liebliche Exißenz ohnegedankliche Bläffe. ...? ' Lübeck, den 3, Dezember 1914 Du haß es auch nicht unterlaffen, mit wenig zarten Händen den fchmerzlichfien Punkt meines jetzigen Dafeins zu, berühren ::. Meine »ruhmvolle Pofition« hier in Lübeck. Nun zu meiner gegen* wärtigen Lebensauffaffung gehört es auch, daß ich mich lebhaft nach , der aktiveren Teilnahme am Kriege fehne. Ich habe mich fo lange und fo ungefiüm gegen meine Kommandierung nach Lübeck gewehrt,., daß ich fchließlich mit einem formellen Verweife beßraft wurde.. Immerhin habe ich noch Hoffnung, hinauszukommen J.