Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- – (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Briefen des gefallenen K.J.V.^ers F 129 als Persönlichkeit ßärkeren Ranges zu leben, Ich bin nüchtern,, temperamentlos und ehrbar an der oberen Grenze des Durchs fchnittes. Und ich habe eine fo ßarke Sehnfucht nach Erlebniflenr nach Ungewöhnlichem, nach Überragendem, Ein großer Roue möchte ich wenigßens fein, wenn nicht ein großer Menfch ~~. ein großer Genießender, wenn nicht ein großer Schaffender. Neulidv habe ich ein paar Verfe »an die Genießenden« gemacht : Euch beneide ich, Euch Genießende, Denen der heiße, ewig fließende, Stets mit erneuter Glut fich ergießende , Strom der irdifchen Freuden fließt. Irgendwo in Oberbayern, derf 4. September 1912 O, meine lieben Söhne, wenn Ihr mich hier im tiefen Elend fitzen fähet, würde Eure Teilnahme und Euer Mitleid wach werden. Gott hat diefes Land mit einem allmächtigen Kleros ge^ ßraft und fo iß es einer finßeren Unkultur verfallen. Dir, lieber E. L. wollte ich neulich zu Deinem Geburtstag gratulieren — aber es war weit und breit weder Papier noch Tinte aufzutreiben.. Tarnen est laudanda voluntas! Und hier in diefer Einöde wanke ich als ein geßhlagener Mann unter meinem (chweren Tornifter umher und führe ein Landsknechtsleben, fo reich an Entbehrungen und Strapazen, daß mich kein Hund in feiner Hütte zu beneidet* braucht. Heu me miferum! ~ Bbr. R. begegne ich gelegentlich, im Glänze feines Offiziers^Portepees — wir taufchen ein Auguren^ lächeln und dienen weiter dem Mars. — Aber: Parole 26!! I Hamburg, den 5. Mai 1913 Den zweiten größeren Teil diefes Briefes findeft Du gedruckt im letzten J. St. — Mein jüdifches Credo, das als folches Dir und meinen anderen mir naheftehenden Leibfüxen »aufs fpeziellfie« ge* widmet iß. Dir gegenüber kann ich noch das Geßändnis hinzufügen, daß ich natürlich pro domo fpreche — die Berechtigung meiner Art zu behaupten fuche, ohne mich jedoch der Erkenntnis zu verlchließen, daß meine Auffalfung nicht Maxime des Handelns Aller werden kann, ohne gemeingefährlich zu werden ~ daß alfo mein Standpunkt für das Gemeinwefen fchädlich fein muß — fchädlich wie eben nach dem problematifchen Ratfchluß der Natur fiets die individuelle Betätigung der fozialen iß. E. C. hat recht,, und recht* haß auch Du, mein Lieber, wenn Du, wie ich vorausfehe,. bei der Lektüre meines ErguITes mit Genugtuung über die »Echtheit« diefer Kundgebung, zugleich aber auch mit etwas väterlichwohlwollender Geringßhätzung lächelß. Hamburg, den 29. April 1914 Dein letzter Brief, der noch der Antwort auf meinem Schreib^ tifch harrt, iß vom 20. Mai 1913 datiert, — alfo die Incubations^