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Der jüdische Wille · 1918-06-01 · Heft 2 (Juni 1918) · page 54

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 54)
Language
German
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122; Kaftem Gibt es eine moderne jüdifche Literatur? iUndendlichhodi ein weiteres; kh will mehr betrachtet wilfer als nur dag rein m&nfchliche, als jenes seelilche Allgemeingut; das in der verheerenden Konformität der Heutigen (ich breit macht. Ich will diefes unter dem Gefichtswinkel unferes wefijüdilchen Na^ tionalismius betrachtet wiflen» Das Menfchliche nicht fub fpecie aeter^ nitatis, sondern fub fpecie nätionis.; Von diefem engen Standpunkt aus müssen wir betrachten r als Juden, die unter Deutfihen leben, die in deutlcher Sprache dichten und die gleichmäßig von Juden und Nichtjuden gelefen werden, Diefer Rahmen iß nur Icheinbar eng. In Wirklichkeit liegt eine breite Flache: des Geleifieteri und des Möglichen vor uns. Denn man überfehe die Menge der Literatur! Wir wollen fefißellen, daß unendlich viele Juden in Deutfchland fdhreiben, daß wir fihamlos Viele Literaten haben und befchämend wenig Dichter. Und auch diefe Dichter unter den deutfchen Juden erfüllen nicht, was wir vor^ ausfetzten. Ich brauche noch keine Namen zu nennen. Unfer wachfendes Intereflean jüdifchen Dingen hat uns längß vermittelt, wer unter den Schriftßellern und Dichtern in Deutfchland Jude iß. Jude der Geburt, der Abßammung nach. Aber Jude dem Herzen nach? Jude dem Geiße nach? Doch hier mülfen wir vorfichtig fein. Hier mülfen wir trennen. Wir wollen zunächß auslchalten jeden Landsbergifchen Kitich, dei* aus billiger Senfation ein Ghettobuch zufammenßümpert. Wir wollen jenes weichliche Kauderwelfih Kompertfcher Erzählungen ausreichen, diefes Gerümpel Jakobowskyfcher Wehmut, die mit ihrem Judenlchmerzchen fich winfelnd bei den anderen ein Ohr leiht. Das alles vermittelt keine Werte, weder menfchlich noch völkilch. Wir wollen und mülfen auch jene auslchalten, in deren Be^ wußtfein es als modern gilt, dem Gange ihrer menfchlichen Darßellung hin und wieder eine jüdifche Figur oder ein jüdifches Thema einzuflechten. Thomas Mann und Rudolf Hanns Bartfeh können das viel belfer. Ihnen merkt man wenigßens die Liebe oder das Interelfe an. Bei jenen aber empfinden wir nichts als ein Gefühl der Armut oder Verlegenheit, wenn fie Jüdifches lofe aus dem Gefüge reißen und fo darfiellen, genau fo wie alles andere in ihren Werken auch : gut, aber nicht jüdifch. Und was bleibt uns endlich zur Betrachtung? O, es bleiben eine Menge Namen von gutem Klang, Namen von Schriftßellern, die gelefen und fogar gekauft werden : Baum> Werfel, Kafka, Fuchs, Brod, Zweig und noch andere, auch folche, die noch weiter öfilich wohnen und die nicht Parade ßehen zu Kurt Wolffs Reklameumfehlägen. Aber dennoch : nehmt fie zur Hand, rneinetwegen am Kol^niare^Abend, wenn Ihr ganz bis zum Rande gefüllt feid mit jüdilcherri Empfinden, das nach irgend einem Anklang fucht: was vermitteln fie Euch? Nichts, als ein neues Wünfihen nach Dichtern, di£ zu uns fprechen können* Und felbß wenn Ihr fühlt, daß als einziger Max Brod yerfucht, mitzuleben mit der jüdifihen Seele,

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