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Der jüdische Wille · 1918-06-01 · Heft 2 (Juni 1918) · page 44

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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112 Rußqßoß Erftlinge Was aber die Sache der Juden feit den letzten Decennien zur Sprache gebracht und als eine befonders wichtige Angelegenheit hat ericheinen lallen, das findet feine Löfung in dem oben angegebenen Begriffe des heutigen Europas. Dellen Stärke und Kräftigkeit haben wir nämlich in den Reichtum und in die üppige Fülle feiner vielen Befonderheiten und Geltaltungen gefetzt, die doch alle in der Harmonie des Ganzen ihre Einheit finden. Je weniger es nun der noch nicht zur Uebereinßimmung gebrachten Einzelheiten gibt, deßo ßörender werden die Wenigen, und es iß der Drang des Zeitalters, ein nicht abzuweifender, auch jene Gefialtungen mit in die harmonifche Uebereinßimmung hinüberzuführen* Wo der Organismus die Wellenlinie verlangt, da iß die gerade Linie ein Greuel. Alfo iß die Forderung des heutigen Europas, daß die feines Begriffes hervorgehende. Würde fie nicht aufgeßellt, fo würde es fich felbß und feinen Begriff verleugnen. Die Zeit diefer Forderung und ihrer Erfüllung iß gekommen. Was daher Vielen, <lie nicht über die Oberflächlichkeit der täglichen Erfcheinungen hinausgehen, als die *Zeit eines wiedergekehrten und unbegreiflichen Haffes, als die Zeit der wieder zum Vorfchein gekommenen Barbarei fich zeigt, das iß nichts als die Aeußerung jenes Kampfes, der aus dem Bedürfnis der Einigung hervorgeht, und früher fiatthaben muß, ehe diefe Einigung erfolgt. Das iß eben der wahre Triumph der Notwendigkeit weltgefchichtlicher Entwickelung, daß die, welche fie aufhalten, ja zerfiören zu können vermeinen, nicht minder als die fogenannten Beförderer dem unabwendlichen Gang der Begebenheiten dienen, weil die Freiheit nur das foll, was notwendig iß, und weil in der Notwendigkeit nicht minder die Freiheit liegt. Wie aber ein folches Aufgehen der jüdifchen Welt in der europäifchen gedacht werden müffe, das folgt wiederum aus dem oben angeführten Begriffe. Aufgehen iß nicht untergehen. Nur die ßörende und blos auf fich reflektierende Selbfiändigkeit foll vernichtet werden, nicht die dem Ganzen untergeordnete,- der Totalität dienend, foll es fein Subßantielles nicht zu verlieren brauchen. Das, worin es aufgeht, foll reicher werden um das Aufgegangene, nicht blos ärmer um den verlorenen Gegenfatz. Auch würde dies dem Begriffe widerfprechen, den wir den des heutigen Europas genannt haben. Seine Eigentümlichkeit war ja die Fülle und der Reichtum feiner Befonderheiten. Das aber, worin feine Kraft befteht, kann es nicht verfchmähen, noch kann es deflen genug haben. Keine Befonderheit fchadet ihm,- nur ihre Alleinherrfchaft, ihr ausfchließendes Recht muß aufhören/ fie muß ein abhängiges Moment unter den Vielen werden. Die haben ihre Zeit und die ganze Frage fchlecht begriffen, denen es zwifchen der Zerftörung und der hervorfpringenden Abmarkung kein Drittes gibt, die das ewige Subfirat der Idee für vergänglicher halten als das der Materie,- denen nicht in jedem Befonderen die Wahrheit des Ganzen, im Ganzen die Wahrjuden fich ihm ganz einverleiben

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