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Der jüdische Wille · 1918-06-01 · Heft 2 (Juni 1918) · page 40

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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108 Ru&af6off, Erftlingc ERSTLINGE Die zweite der drei Reden von Eduard Gans im »Kulturverein«*) Meine Herren und Freunde! Wenn dem auch vor wohlwollenden Zuhörern und befreun* deter Verfammlung Redenden bei freier Wahl des Stoffes nicht feiten die Verlegenheit fühlbar wird, was dem Orte, der Ver* fammlung, der Gelegenheit wohl würdig und entfprechend feini dürfte, — fo bin ich heute diefer Verlegenheit vor Ihnerf enthoben, indem es ein gegebener Stoff ift, den zu behandeln mir obliegt; Ihre Tätigkeit des verfloflenen Semeßers. Ob aber die andre Schwierigkeit nicht defto größer fei, wie dem reichen Wirken die Fülle des darßellenden Wortes zu genügen habe, fo daß jedes* Einzelne in dem Zufammenhange, wie es gedacht wurde, erfcheine, — fo daß jeder befonderen Richtung ihre allgemeine Grundlage nach^ gewiefen werde, — fo daß endlich aus dem Gefchehenen und Ge- Teißeten die Notwendigkeit des noch zu Leißenden lieh ergebe: diefe Frage wird beffer ihre Beantwortung, fürchte ich, durch die Tatfache der Löfung, als durch eine derfelben vorangehende Beur^ teilung erhalten, was aber auf jeden Fall jegliche Schwierigkeit erleichtert, und den Gedanken an diefelbe vergeffen läßt, das iß Ihre mir bekannte Nachficht, die fo vielfältig gegen mich geübt, gerade da nicht fehlen wird, wo ich ihrer am meißen bedarf. Wie aber könnte ich meiner Aufgabe, für Ihr Wirken, wie es vereinzelt im Leben erfcheint, die allgemeine und in jedem Einzelnen wieder hervortretende Idee anzugeben, beffer genügen, als wenn ich die Gefchichte diefer unferer Vereinigung fidi entwickeln ließe? Was könnte dem Zwecke, das, was alle von Ihnen tief und in der Glut eines warmen Herzens empfinden, was alle von Ihnen praktifch und in der ausdauernden Befiändigkeit eines kräftigen Willens längß geübt haben, was aber vielleicht mancher von Ihnen noch nicht zu dem klaren Bewußtfein und zu der Einheit des Denkens erhoben, eben in die Sphäre diefes Denkens überzufetzen, — was könnte, läge ich, diefem Zwecke förderlicher fein, als die Angabe des weltgeichichtlichen Standpunktes, dem Ihre Verbindung das Ent- *> Als ErfHinge der Entjudung hatte Herr S. Rubafchoff in feiner Einleitung zu den drei Reden von Eduard Gans im Kulturverein, die wir zufammen mit der erlten Rede in Heft 1 diefer Zeitfdbrift veröffentlicht haben, die Männer bezeichnet, die 1819 in Berlin den Kulturverein gefchaffen hatten. Wir ver* weifen auf diefe Einleitung zum Verftändnis der zweiten Rede, die als »halbjähriger Bericht im Verein für Kultur und Wiffenfchaft der Juden <am 28. April 1822) abgeftattet von Dr. E. Gans, zeitigem Präfidenten des Vereins« 1822 bei M. Hahn in Hamburg erfchienen ift. Die dritte Rede folgt im nächften Heft. Da diefe Reden feiner Zeit nur in einer begrenzten Anzahl von Exemplaren zur Benutzung für die Mitglieder des Vereins veröffentlicht wurden und fomit heute fchwer zugänglich geworden find, werden wir fie nebft Einleitung und Anmerkungen in einem Sonderabdruck als Heft 6 unferer Brolchürenbibliothek veröffentlichen. Die Redaktion

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