Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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104 WitHowslßy, Der Prophetismus als kulturgefcfiichtlicfies Problem Israels vorhandenen Fremden, dem Metöken innerhalb einer über^ wiegend bäuerlichen, wirtschaftlich unentwickelten Gemeinschaft. Die ihm gewährte Gastfreundfchaft ift eng begrenzt und hat mit dem Begriff der absoluten Sittlichkeit nichts zu tun. Sö hat Troeltsch mit seiner Behauptung durchaus recht, daß sittliche Äußerungen ab*" strakten Inhalts in den Prophetenschriften nur wenig zu finden sind und die sittliche Idee wesentlich in dem Kampfe gegen dte Baale Kanaans und gegen die Götter der fremden Mächte steckt. »Die Propheten sind ja nicht die Fanatiker des Monotheismus, wie man sie oft sich vorstefft, sondern die Vertreter der Ungemischt* heit und Reinheit israefitischen Wesens, in dem die alte Väter* sitte mit dem Jahve*Kuft aufs engste zusammenhing.« Deshalb trägt die prophetische Sittlichkeit »die charakteristischen inhaltlichen Züge einer alten einfachen bäuerlichen und kleingewerblichen Sitte«. Ihre Forderungen sind immer dieselben einfachen. Gerechtigkeit gegen Witwen und Waisen, was die Erhaltung der Landlose bei den Familien gegenüber dem Bauernlegen der Nobilität und der Ausbeutung durch städtisches Geschäft bedeutet. Freiheit und Ehre des Mannes gegenüber der Gewalttat der Großen und Beamten; Kampf gegen das harte Pfands und Verfchuldungsrecht der neuen städtischen Gesellschaft, was das eigentliche soziale Problem aller antiken Gemeinwesen ist. Strenge Sicherung des Eherechts oder der Legimität der Kinder, die gleichfalls mit den Bedürfnissen des Grundbesitzes zusammenhängt,- gerechtes Gericht durch die an^ festammten Ältesten gegenüber der Bestechlichkeit und parteiischen 'raxis der herrschenden Richter und Beamten.....Es sind teilweise Forderungen, die sich in allen antiken Stämmen beim Übergang von der bäuerlichen zur städtischen Kultur finden, teiU weise Forderungen, wie sie sich aus dem Freiheits^ und Ehrgefühl selbständiger Landbesitzer und aus der Intimität und Gegenseitigkeit einer einfachen Nachbarschaftsethik ergaben, wo gegenseitige Hilfst bereitschaft und Ehrlichkeit die Voraussetzung der Existenz sind, Leistung gegen Leistung steht und in Streitfällen ein patriarchalisches Schiedsgericht die Gegensätze schlichtet. Troeltsch lehnt es aber auch ab, was hervorgehoben werden muß, die Propheten etwa als Klassenvertreter, die nur gegen soziale Klassengegensätze opponieren, anzusehen. »Mit Humanität und Freiheit oder gar Demokratie und Soziafismus im modernen Sinne hat diese Ethik keinen Taden gemeinsam. Es ist vieljnehr das alte Recht und die alte Sitte der bäuerlichen Sippen . . . .« Mit dieser klassischen Formulierung der prophetischen Ethik hat Troeltsch endlich dem metaphysischen Gerede ein Ende gemacht und diesen bedeutsamsten Abschnitt der jüdischen Geschichte im Rahmen soziologischer Betrachtungen dem Verständnis nahe gebracht. Leider hat er sich in der Darstellung der Auswirkungen des pro* phetischen Denkens vom Einfluß Nietzschescher Gedankengänge nicht ganz befreien können. Die weltgeschichtliche Bedeutung der pro^