Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Witfowsüy, Der Prophetismus als kulturgefchichtlidhes Problem 97 «und 4, 2—6>. Mit aller Plastik einer von nationaler Sehnsucht er* füllten Phantasie wird das kommende Reich in seiner Herrlichkeit 'dargestellt und es erfordert schon eine durch Voraussetzungen stark gehemmte Urteilskraft, um den fast überhitzten Glauben an •die baldige Auferstehung des schwergebeugten Volkes zu neuer Macht und Größe in seiner durchaus irdischen Bedeutung zu verkennen. Verzehrende Ungeduld spricht geradezu ajus Deuterojesaia, der seinen zürnenden Gott zur Eile mahnt. »Werde wach, werde wach, lege Kraft an, du Arm Jahvek Werde wach, wie in den Tagen der Vorzeit uralten Geschlechtern! Warst nicht du es, der Rahab zerhieb, den Drachen durchbohrend? Warst nicht du es, der das Meer versiegen ließ, des großen Ozeans 'Gewässer, der die Tiefen des Meeres zum Wege schuf für den Durchzug der Erlösten? — — ~* Ich, ich bin's, der dich tröstet Was bist du, dich zu fürchten vor sterblichen Menschen und vor Menschenkindern, die zu Gras gemacht werden, und vergaßest Jahve, deinen Schöpfer, der den Himmel gespannt und die Erde gegründet. Und lebtest immerdar, allezeit angesichts des Grimmes des Bedrückers,, wie er zielte, zu verderben. —* Bald wird der Ge* knebelte losgeschlossen und fährt nicht tot zur Grube, noch mangelt's ihm an Brot. Ich aber bin Jahve, dein Gott, der das Meer erregt, daß seine Wellen toben. Jahve der Heerscharen ist mein Name. Und ich legte meine Worte in deinen Mund und mit dem Schatten meiner Hand deckte ich dich, den Himmel spannend und die Erde gründend ►und zu Israel sprechend: Mein Knecht bist du.« <Jes. 51, 9—16). Nur ein völliges Hinwegsehen über den Wortsinn konnte Kellermann zu folgendem Ergebnis führen. »Denn nur als Glied und Sprosse an der Himmelsleiter sittlicher Kultur vermögen Jn* dividuum und Volk ihr eigenes Selbst zu erobern. Unter dem Horizont solcher Erwägung verzichtet Jeremia auf die Existenz des nationalen Staates, prägte Deuterojesaia den Begriff des leidenden Menschen.« Aus welchen ganz anders als sittlich-religiös gearteten Gründen Jeremia, wenn es überhaupt für eine Periode seines Lebens zutrifft, auf den nationalen Staat verzichtet hat, wird noch: zu erörtern sein. Über den Sinn des Ebed-JahveJBegriffs kann jedenfalls nach Kap. 51 kein Zweifel bestehen. Ein Knecht Jahves ist das von irdischen Bedrückern gebeugte Israel, aber nicht Sklave der Unbeschnittenen und Unreinen. So wahrt der Prophet seinem Volke die innere Freiheit trotz äußerer Knechtschaft, die Hoffnung auf Vergeltung und Erlösung durch Jahves Hand. »Sieh da, wie sie eilen auf den Bergen, die Füße der Freudenboten. Der Frieden verkündet, der Glück ausruft, der Heil verkündet, der zu Zion spricht: Dein Erlöser kommt, dein Gott ward König! All deine Türmer erheben die Stimme im Chor, sie jubeln, denn Aug' um Aug sehen sie ihre Lust an der Heimkehr Jahves. .» Denn Jahve hat sich seines Vplkes erbarmt, Jerusalem erlöst. Er hat aufgestreift seinen heiligen Arm vor aller Auge, daß sehen alle Enden der Erde