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Der jüdische Wille · 1918-06-01 · Heft 2 (Juni 1918) · page 27

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Witüowsky, Der Prophetismus als kulturgel&tchtlidbes Problem 95 Vorgangs und die Abkehr Israels von feinem Gott wie ein Verbrechen gegen die ewigen Gefetze des Alls. »Fragt doch unter den Heiden nach, wer hat foldies je gehört? Schauderhaftes hat getan die Jungfrau Israels. Entzieht fich denn dem Felfen der Schnee des Libanon? Oder verfiegen von den Bergen die riefelnden Walfer? Doch mein Volk .hat meiner ver* Seifen,- den Götzen räuchern fie« . . . <Ier. 18, 13). Es ließen fich zahllofe Stellen aus den prophetifchen Schriften anführen, die »die wefenhafte Zufammengehörigkeit Israels und Jahves« zur Evidenz erweifen, wenn von jedem Deutungsverfuch abgefehen wird und derernftliche Wille eines nachfühlenden Begreifens befteht. Intereffant ilt es nun zu beobachten, wie Kellermann, um den univerfalißilchen Gottesbegriff der Propheten um jeden Preis zu retten, fich in ein wirres Netz von Spekulationen verfixickt. Für ihn ergibt fich der bindende Schluß, »daß Jahve und Sittlichkeit nicht nur eine abfolute korrelative Einheit, fondern fogar eine Identität bilden, die fich pfychologifch als die gefühlsmäßige 4irfaflung des Sittlichen erweiß.« Eine folche Auffalfung vom Wefen Jahves kann natürlich nicht anders als univerfaliftifch fein. Sie findet nach Kellermann fchon in der deuteronomiftifchen Überarbeitung der Salomonifchen Tempelrede <I. Kp. 8,41> ihren prägnanten Ausdruck. .... »Aber auch auf den Ausländer <hanochri>, der nicht zu deinem Volke Israel gehört, wenn er aus fernem Lande kommt um deines Namen willen — denn fie werden hören von deinem großen Namen, deiner ßarken Hand und deinem ausgeßreckten Arme —, wenn er kommt und vor diefem Tempel betet, fo wolltefidu hören im Himmel, der Stätte, da du throneß, und alles das tun, um was der Ausländer dich anruft, damit alle Völker deinen Namen kennen . . . .« Aus dieser Stelle zieht Kellermann folgenden Schluß: »Ohne voraufgehende Erfüllung kultischer Pflichten soll der Ausländer Er^ hörung finden, sobald er sich an Jahve wendet. Hier ist jedwede ethnische Schranke zwischen Israel und dem Ausländer, soweit es sich um Erhörung von Gebeten handelt, geschwunden.« Kellermann übersieht,- daß die Erfüllung kultischer Pflichten eben darin besteht, daß der Ausländer in das Land Jahves kommen und im Tempel Jahves beten muß, wenn er Erhörung seines Gebetes finden will. Vergegenwärtigt man sich aber die Gebundenheit der antiken Gott* heit an den Ort ihrer Verehrung, so wird ersichtlich, daß der Aus* länder, der im Tempel Jahves betet, damit seinen Gott und sein Volk verleugnet und sich Jahve und Israel zuwendet. Im übrigen genügt es zur Erhellung dieser Frage auf 5. Mos. 23 hinzuweisen. »Kein Ammoniter oder Moabiter darf der Gemeinde Jahyes angehören,- niemals soll einer, der auch nur im zehnten Gliede von ihnen abstammt, der Gemeinde Jahves angehören dürfen. . . . Die Edomiter sollst du nicht verabscheuen, denn sie sind deine Brüder. Die Ägypter sollst du nftht verabscheuen, denn du hast in ihrem

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