Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Wit&otvsfiii, Der Prophetismus als kukurgefchiditliches Problem hältnis von Jahve zu seinem Volke fidi wie ein Leitfaden durch (amtliche Sdiriften zieht und daß Welt und Menfdiheit dem gegen* über von verblüffender Indifferenz erfcheinen: »Denn Jahve wird* sich Jacobs erbarmen und Israel noch einmal erwählen und fie auf ihren Heimatboden verfetzen. Die Völker werden fie nehmen und an ihren Ort bringen und das Haus Israel wird fie fich im Lande Jahves zu Sklaven und Sklavinnen aneignen.« <Jef. 14, 2.) »So spricht der Herr Jahve: Siehe, ich erhebe meine Hand für die Heiden und für die Völker pflanze ich hoch mein Panier. So bringen fie herbei deine Söhne im Gewandbaufch und deine Töchter trägt man her auf der Schulter. Und Könige werden deine Pfleger und ihre Gemahlinnen deine Ammen. Das Antlitz zur Erde fallen fie vor dir nieder und lecken den Staub zu deinen Füßen, damit du erkennfi, daß ich Jahve bin, daß, die meiner harren, nicht zu Schanden werden. <Jef. 49, 22-23.) »Und Ausländer werden deine Mauern bauen und Könige dir deinen Dienß weihen.« <Jef. 60, 10.) »Und zu dir kommen gebückt deiner Bedrücker Söhne und es fallen nieder zu deinen Fuß* fohlen alle, die dich fchmähten.« <Jef. 60, 14.) »Und Fremde werden euch dienen und eure Herde weiden und Ausländer euere Ackerer und Winzer fein. Ihr aber werdet Priefier Jahves heißen, Diener unferes Gottes wird man euch heißen, den Reichtum der Völker werdet ihr eilen und in ihre Ehre werdet ihr eintreten«. <Jef. 61/ 5—6.) Von den erwähnten Bibelfi^llen dürften mit Ausnahme der erßen, die Hugo Winckler Jefaia zufchreibt, die übrigen deuterojefaianifchen Urfprungs fein, alfo gerade dem Pro* Eheten angehören, deffen univerfal^ethifche Auffalfung befonders ervorgehoben wird. Audi bei Jeremia ifi Jahves inniges Verhältnis zu feinem Volke gleichfam das Leitmotiv der prophetifchen Bekundungen. »Ich lege mein Gefetz in ihr Inneres und fchreibe es ihnen ins Herz und fo will ich ihr Gott fein und fie follen mein Volk fein.« <Jer. 31, 33.) Selbß wo wir zum erfien Male im prophetifchen Denken dem religiöfen Individualproblem in jenem unvergleichlich fchönen Kapitei <11) begegnen, in dem der Prophet erdrückt von der Schwere feiner Sendung mit feinem Gotte hadert, find wir fern jeder univerfalißifchen Gottesauffaflung im Sinne einer allumfaffenden Gerechtigkeit. Der zornerfüllte Prophet befchwört Jahve, daß die Männer feiner Vaterßadt Anathoth, die ihm nach dem Leben trachteten, an ihren Hungers fierbenden Söhnen und Töchtern befiraft werden mögen, fodaß Sein Ueberreß von ihnen bleibe, und fie alfo unfchuldig für fremde Schuld büßen <Jer. 11, 22 u. 23/ 12, 3.). Iß hier fchon das Treueverhältnis Jahves zu feinem Propheten fo enge gefaßt, daß von einem univerfalißifchen Gottesempfinden nicht gefprochen werden kann, fo erfcheint die Einengung des Bundesverhältnifles Jahves zu feinem Volk mit der zwingenden Kraft eines naturnotwendigen