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Der jüdische Wille · 1918-06-01 · Heft 2 (Juni 1918) · page 25

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Witkowsky, Der Prophetismus als kulturgefchichtlidhes Problem 93 hereinbricht, kann der Stammgott Jahve von dem gleichzeitigen Linter* gang nur gerettet werden, indem er zum Weltenherrn, der mächtiger als alle Götter iß, erhoben wird, zum perfönlidien Weltwillen, der die fremden Völker und Mächte als feine Werkzeuge benutzt, um seinem Volke Israel feine Macht zu, erweifen. In diefen Sätzen prägt fich d£r Gegenfatz zu den bisherigen Anfchauungen aus, denen Keller* mann als unbedingter Anhänger des ethifchen Evolutionismus ein zweifellos beredter Anwalt ilt, Hat für diefen der hebräifche Pro* phetismus auf dem Wege inneren Schauens jene Stufen der Gottes* und Menfchheitsidee erreicht, die fpäter auf dem Wege philöfophifcher Forfchung ein Ergebnis Kantifcher Transcendentalphilofophie bedeuten, fo leuchtet Troeltfch'Auffalfung dem ohne weiteres ein, der fich von der überlieferten Gewohnheit frei gemacht hat, die prophetifchen Schriften nur deutend zu lefen, fie nach dem eigenen Sinn zu wenden und über alles hinwegzufehen, was dem eigenen religiöfen Empfinden widerfprechen oder gleichgiltig fein könnte. Daß Troeltfch weit davon entfernt ift, die Prophetie, die er vom Piedefiäl des Vor* kantianismus herabßürzt, in ihrer überragenden Bedeutung zu ver* kennen, zeigen die weiteren Ausführungen. Im Sinne der von Troeltfch angenommenen Loslöfung und Verfelbßändigung eines reli* giöfen Komplexes wird die Gemeinfchaft von Stammesgott und Volk zu einer Innerlichkeit und perfönlichen Gegenfeitigkeit des Glaubens und Vertrauens gewandelt, die ganz neue feelifche Gehalte religiöfen Fühlens und Denkens bedeutet. Es entßeht eine ganz perfönliche und individuelle Frömmigkeit vom reinßen allgemein menlchlichen Charakter, in der die Bedeutung des Prophetismus für die Menfch* heit begründet ilt. Aber diefe neue religiöfe Welt geht nicht aus einem Widerfprüch zwilchen Nationalismus und Univerfalismus, zwilchen Volksgott und Weltgott, wie es z. B. Kellermanns An* fchauung ift, fondern gerade aus der gefteigerten Leidenfchaftlichkeit, Kraft und Innigkeit des Nationalen hervor. So wird erft die Heils* Verkündigung der Propheten von dem Reft, der die Herrlichkeit des meffianifchen Reiches fchauen wird, verßändlich. Diefer Reft wird das gereinigte und geläuterte Israel fein, in dem Recht und Gerech* tigkeit wohnen, in dem alles verwirklicht fein wird, was die Propheten an ihren Zeitgenoflen vermißten. Troeltfch nennt diefe Zukunfts* hoffnung eine gläubige Gefchichtsphilofophie, einen Optimismus der Weltbeurteilung, wie er nirgends fich findet, lehnt aber aus* drücklich die Auffaflung, die im Prophetismus eine Erhöhung Jahves zur fittlichen Weltordnung im abßrakten Sinne, alfo eine Antecipation Kantifcher Philofophie fieht, als eine gründliche Mißdeutung der Propheten ab. Es iß fchon einmal gefagt, daß fich Gedanken diefer Art bei unbefangenem Lefen der prophetifchen Schriften geradezu aufdrängen. Von den zahlreichen anthropomorphen Zügen, die Jahve felbft in den fpäteren prophetifchen Büchern trägt, foll ganz abgefehen werden. Unmöglich kann aber unbeachtet bleiben, daß das befondere Ver*

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