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Der jüdische Wille · 1918-06-01 · Heft 2 (Juni 1918) · page 24

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Witüowsfiy, Der Prophetismus als kulturgefchichtlidies Problem der herrfchenden Entwicklungstheorie, leuchtet ein. Befteht aber nicht die Gefahr, daß mangels einer Methodik des Einfühlens der Willkür ein weit größerer Spielraum gewährt wird, als es im Rahmen der alten rorfdiungsmethode möglidi war? Mit Recht hat Ben Zion Kellermann*) in seiner Entgegnung auf Troeltfch den völligen Mangel einer theoretifchen Grundlage und die Gefahr einer effayifiifchen Auswertung der neuen Methode hervorgehoben. Tin* befireitbar wichtig iß seine Fefifiellung, daß bei dem Mangel einer objektiven Kontrollinfianz der Wert der nachfühlenden Methode gegenüber der früheren im günfiigfien Falle nichts anderes iß, als die Korrektur des einen Subjektivismus durch den andern. Mit diesem theoretifch berechtigten Einwand iß freilich nichts fegen die tatsächliche Anwendung der neuen Methode im einzelnen ralle ausgesagt. Es iß jedenfalls denkbar, daß es einem besonders hierzu befähigten Forfcfaer gelingen könnte, die völlige Identität seines Forfchüngsergebnifles mit dem Gegenfiand der Forfchung herzufiellen. Es wäre dies ein dem künfilerifchen Schaffen ^gleicher Vorgang. Die »Wahrheit« eines Kunßwerks wird aus keinem Gesetz einer irgendwie gearteten Aeßhetik hergeleitet werden können, sie iß ohne weiteres evident, aber nicht beweisbar. So vermöchte wohl der nachfehaffende Geiß eines Wiffenfchaßlers eine verfloffene Kulturepocfae in solcher Plaßik vor uns erßehen zu laflen, daß wir an der Wahrheit der Darfteilung keinen Augenblick zweifelten, ob* wohl uns der sachliche Wertmefler fehlt. Jede Wiffenfchafi dürfie Beispiele solchen »intuitiven« Schaffens aufweisen und es verlohnte sich schon der Mühe, Troeltfch' Arbeit auf seinen Wahrheitsgehalt zu untersuchen, zumal Kellermanns auf dem Boden der verladenen Methode fußende Entgegnung einen willkommenen Vergleichsgegenftand bietet. Es ift verftändlich, daß Troeltfch, der die jüdifche Prophetie aus ihrer Zeit begreifen will, an die Spitze seiner Betrachtung den Satz ßellt, daß die Prophetie mit Spekulation, Abfiraktion, vernünftigem Einheitsßreben oder irgend einer Art von Philofophie nichts zu tun habe, vielmehr flehe im Mittelpunkt der prophetiiehen Denkweife eine Art Politik. »Das eigentlich entfeheidertde in ihrer Predigt iß die unerlchütterliche, beinahe rätfelhafie Gewißheit von der Unzerfiörbarkeit Israels, wenn es Jahve treu bleibt und jeder Verfuchung zu Bündniflen oder Verfchmelzungen widerfirebt. In diefer abfolut fieberen Vorausfetzung der wefenhafien Zufammengehörigkeit Israels und Jahves und der unbedingten Unzerfiörbarkeit Israels, fo lange es Jahve treu bleibt, liegt die eigentliche Subfianz der prophetifchen Politik, die in immer neuen Orakeln und Befehlen an Volk, Könige, Minifier und Priefier leidenschafilich hervorbricht.« So wird nach Troeltfch das politifche Geichehen Ausgangspunkt der gefamten religiöfen Ideenwelt der Propheten. Denn als das Unheil über Israel *> »Der ethifche Monotheismus der Propheten«

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