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Der jüdische Wille · 1918-06-01 · Heft 2 (Juni 1918) · page 8

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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76 Rofenßerg, Aus unteren Anfangsjahren Eines Tages erhielt ich vom Rektor die Aufforderung zu einer Rüdkfpradie über die Ziele unferer Bewegung. Zwifdien dem Rektor Kekule von Stradonitz, dem Univerfitätsrichter Geheimrat Daude und mir entfpanp fleh eine zionifiifche Debatte. Kekule von Stradonitz war Ardiäologe und daher in Bezug auf die moderne jüdifche Bewegung von köfilicher Ahnungslofigkeit. Er machte zum Beifpiel den Einwand, daß ..doch die Gründung einer neuen jüdifdien Verbindung nicht erforderlich wäre, da ja bereits der V. J. St. und die F, W. V. <Freie Wiffenfchaft- Jiche Vereinigung) an der Univerfität befiänden. Ich habe nicht verfehlt, .diefe Bemerkung, die die F. W. V. in die jüdifdien Verbindungen einreihte, dem damaligen Erfichargierten der F. W. V. weiterzugeben. Geheimrat Daude, der, glaube ich, Alter Herr des V. D. St. ,war, erwies fich dagegen viel orientierter über die zionifiifche Be* wegung. Seine Bedenken galten in der Hauptfadie der jüdifdi^nationaten Bafis unferer Exifienz. Er fürchtete, daß aus einer Genehmigung einer jüdilch-nationalen Verbindung nun auch die Polen für fich das Recht auf Legalisierung polnifch-nationaler Verbindungen ableiten würden, fah aber doch ein, daß die territorialen Änfprüche der Polen die Exißenz des deutfehen Reiches in ganz anderer Weife berührten als unfere zionifiifchen Aspirationen. Um eine Anerkennung unferes Standpunktes zu erlangen, .mußte ich mich weniger auf unfere zionißifdie Theorie ßützen, als auf die Sympathie des Großherzogs von Baden und auf die diplo* matifchen Erfolge, die Herzl damals auf der Paläfiinareife des Kaifers und in Konfiantinopel errungen hatte. Kekule von Stradonitz war aber ein fehr vorfiditiger Mann. Er meinte bedächtig, daß gegen das, was ich ihm vorgetragen hätte, vom Standpunkt der Behörde zwar kein Einwand erhoben werden könne, man wiße aber nicht, wie fich diefe neue Bewegung noch entwickeln würde, und da wünfehe er, daß ich die vorgetragenen Anfchauungen in einer Schrift niederlege, die zum ewigen Gedächtnis dem Archiv der Univerfität einverleibt werde. Ich habe eine folche Schrift ausgearbeitet und dem Rektor überreicht. Der Verbindung wurde daraufhin die Genehmigung erteilt. So konnten wir nun an die Öffentlichkeit treten. Das gefchah mit der erßen Antrittskneipe, die im »König von Portugal« ßattfand. Ich habe nur noch den Eindruck, daß fie fich zu einem zionifiifchen Ereignis gefialtete. An Einzelheiten kann idi mich nicht mehr er^ Innern,- dazu war ich viel zu aufgeregt. Ich weiß aber, daß alles fehr gut klappte. Die Exißenz der Verbindung war damit aber nodi keineswegs gefiebert. Selbß in zionifiifchen Kreifen betrachtete man die Möglichkeit unferes Befiehens fehr fkeptifdi. Ein Beifpiel dafür. Die Befprediung der Schlußkneipe unferes erßen Semefiers wurde in der Jüdifdien Rundfchau mit den Worten eingeleitet: »Die freie Verbindung Hasmonaea feierte das Semefier ißres Befießens«. Es iß mir heute noch nicht gewiß, ob es fich dabei nur um einen

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