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Der jüdische Wille · 1918-06-01 · Heft 2 (Juni 1918) · page 9

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Rofenßerg, Aus unferen Anfangsjahren 77 Druckfehler handelte, oder ob der Redakteur der Rundfchau, der Alte Herr des V. J. St., Heinrich Löewe, uns damit eine Malice fagen wollte, wie wir fie damals zu hören gewohnt waren. Mit dem V. J. St. hatten wir unbefchadet der heftigen Kon* kurrenz, die wir in ihm fanden, und der noch viel heftigeren, die er von uns fürchtete, freundfchaftliche Beziehungen angeknüpft, Es war beiden Teilen klar, daß wir trotz der Rivalität der Korpo* ratiorien innerlich einander fo nahe ftanden, daß um der gemein^ famen Sadie halber ein gutes Verhältnis unbedingt erforderlich war. Die kleine Zahl unferer Mitglieder war wohl mit der Grund, warum wir zunächft weniger in die Öffentlichkeit traten als der V. J. St., der damals bereits über eine große Mitgliederzahl ver<* fügte, und uns mehr der inneren Arbeit zuwandten, die damals mit dem Schlagwort »Vertiefung des Zionismus« gekennzeichnet wurde. Die Gefahr, ein Diskuffionsklub zu werden, war aber da* durch von vornherein vermieden, daß wir uns die Form einer ßraffen fiudentifchen Organifation gegeben hatten, mit unbedingter Satisfaktion, und wir fanden tatfächliA in der Studentenfchaft, wotJ aus diefem Grunde, eine durchaus refpektvolle Aufnahme. Die Hauptforge war und blieb auf lange Zeit die Fort* pflanzung unferer Verbindung. Wir haben damals fehr oft auch von zionißifchen Freunden die Phrafe von dem fieinigen Boden Berlins gehört, der die Exifienz einer zionißifchen Verbindung in Frage ßelle. Langfam ging es aber doch vorwärts. Allerdings konnte man es fich nicht geßatten, nach drei Semefiern der Aktivi* tät fich als inaktiv vom Verbindungsleben zurückzuziehen, fondern die Arbeitskraft jedes Einzelnen wurde bis zur Beendigung feines Studiums von der Verbindung voll in Anfprudi genommen. Es gab allerdings auch trotzdem Stunden, in denen wir felbß an der Mög* lichkeit verzweifelten, uns zu erhalten. Die Vorausfetzung, die unfer Statut für die Aufnahme eines Fuxen feßgelegt hatte, das Bekenntnis zum Basler Programm, war damals nur bei vereinzelten Keilfüxen von vornherein erfüllt. Es war daher unfere Aufgabe, die Keilfüxe erfi zum Zionismus zu bringen und dann zum Eintritt in die Verbindung zu bewegen. Der schwierigße Teil unferer Erziehungsarbeit war alfo an dem Keilfüxen noch vor feinem Eintritt zu leißen. Mit der Ausbreitung des Zionismus in Deutfchland wurde das langfam'leichter. Es kam nicht mehr fo häufig vor, daß wir Keilfüxe zu bearbeiten hatten, die von der Exifienz des Zionismus überhaupt keine Ahnung hatten und die Vorbereitung der Schüler, wie fie auch der V, J. St. in intenfiver Weife aufgenommen hatte, führte uns doch in jedem Semefier wenigftens einige Leute zu, die bereits auf der Schule den Entfdiluß gefaßt hatten, unbedingt bei uns aktiv zu werden. Wenn auch durch die Erßarkung des Zionismus die Aus* Fichten unferer Exifienz beffer wurden, fo erwuchs jedoch daraus

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