Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Röfenßerg, Aus unferen Änfangsjahren Leitung des damaligen Erfichaf gierten der Veritas, Robert Stricke!^ erhielt idi meine erfie zionifiifche Erziehung, und es war für midi ein Augenblick höchfien Glückes, als mir nach*meinem Abiturienten* examen, noch im Korridor der Schule, das Fuxenband der, Verität überreicht wurde,- und nicht nur des Glückes, fondern auch des Stolzes, daß ich das Band föfort erhielt, ohne erfi ein mehrwöchentf liches Hofpitium durchmachen zu mülfen/ denn fo war der Stand der zionifiifchen Verbindungen in Ößerreich damals, daß nicht fie die Füxe zu keilen brauchten, fondern daß der auf der Schule fchon vorbereitete Profux erfi eine Probezeit durchmachen mußte; ehe er für würdig befunden wurde, in die Verbindung 'aufgenommen zu werden. Von meinen zehn jüdifchen Conabiturienten traten neun mit mir zufammen in die Verbindung ein. In der Veritas hatte ich Gelegenheit, zu fehen, welche Rolle die Verbindungen im damaligen Zionismus Öfterreichs fpielten. Die äionißifchen Studenten waren nicht nur die Erzieher des Nach* wuchfes, fie waren die politifchen Agitatoren, fie fiellten die zipnißifchen Redakteure, fie berieten mit bei den wichtigfien Fragen der zionißifchen Politik und fie vertraten in einem mutvollen Drauf* gängertum die jüdifdhe Ehre gegen den rüden Antisemitismus an den öfierreichifchen Hochfchulen. Die glückliche Zeit meiner Aktivität in der Veritas fand aber fchon nach anderthalb Semefiern ihr Ende, als meine Familie nach Berlin überfiedelte und ich, zum Abfchieds^ troß mit dem Burfchenband gefchmückt, Oefierreich verlalfen mußte., Berlin war mir das Gblus, und bevor ich meine Verbindung ver* ließ, hatte ich mir fefi vorgenommen, in Deutfchland, wo, wie ich wußte, jüdifche Studenten in Wichs und mit Eichenlaub-gezierten Cerevisen, alfo in einer mir ganz unfaßbaren Aufmachung, als Germanen tief in der Assimilation ßeckten, niemals in eine andere Verbindung einzutreten, es fei denn, daß es mir gelänge, auch dort eine zionifiifche Verbindung ganz nach dem Mufier der meinen zu gründen.1 In Berlin ßellte ich zunächß in der Wandelhalle zu meiner freudigen Überrafchung fefi, daß ein Verein Jüdifcher Studenten exifiierte. Meine Bekanntfchaft mit den erfien Vertretern des Vereins gefchah allerdings unter merkwürdigen Umfiänden. Ich bemerkte, in der Nähe des Schildes des V. J. St. fiehend, daß zwei Leute auf das Schild zugingen und das Wochenprogramm abzureißen im Begriffe waren. Mir waren folche Vorgänge aus Wien und Brütm her recht bekannt, denn dort kam es fehr oft vor, daß fich der furor teutonicus in der Befchädigung unferer Schilder Luft machte. Natürlich fiürzte ich fofort auf die beiden Leute zu und fah in meiner Phantasie bereits die Entwicklung einer jener in Ößerreich oft erlebten großen Schlägereien in der Wandelhalle, als fich die beiden Herren mir freundlich vorfiellten und fich als die Vertreter des Vereins erwiefen, die im Begriffe waren, das Wochenprogramm auszuwechseln. Man nahm fich meiner mit einer Freundlichkeit an,