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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 71

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 71)
Language
German
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Weitzmann, K. C.^Geist 69 wieder auf lügnerischen Voraussetzungen zu ertappen, und*der£es nicht verträgt, seine geistige Existenz von außen her zu beziehen, anstatt sie in sidh selbst zu schaffen. Was hilft es da, wenn sich wirklich zwei K. C.-er finden, die die Ostjudenfrage mit Ver* ständnis erörtern und dem Zionismus auf ihre Weise gerecht werden? Sie finden an all den andern taube Zuhörer, und es bleibt unfaßbar, wie sie es aushalten können, das Nationaljudentum als idealgerichtet zu verteidigen, während umseitig deutsch^jüdische Verbrüderungsorgien gefeiert und russische Juden beschimpft werden. Ein richtiger K. C.-er hat, wenn überhaupt ein Interesse nur »für die uns K. C.^er interessierenden jüdischen Fragen«, z. B. für Vorträge wie »Genie und Talent unter Berücksichtigung der Juden«. Diese Art, Gerichtstag über sich selbst zu halten, diese Objektiv vität, deren Themata auch von christlichen Studenten ohne Störung der Einmütigkeit behandelt werden können, hat es leicht, vornehm zu tun. Die Probleme wahrer Jüdennot sind ihr unbekannt, sie weiß nichts von dem nationalen Erlebnis, das sich mit unbekümmerter Entschiedenheit äußern muß, weil es den ganzen Menschen erfordert. Die Ideale der K. C.^er leben von der Möglichkeit einer mittleren Linie, sie vertragen überhaupt keine kräftige Behandlung, da sie auf den Willen der Umwelt angewiesen sind, und ihre Vornehmheit ist ein Schutz, den sie dringend benötigen. Aber sie fallen doch Häufig aus dieser vornehmen Rolle, und die Würde, mit der sie ihre Bestimmüngsmensuren schlagen, schützt sie nicht davor, polnische Juden nach Parvenümanier ihre Überlegenheit fühlen zu lassen und sich durch Militärärzte den Weg zu den Offizierskasinos zu'bahnen. Immerhin nehmen sie wieder Haltung an, wenn ein übermütiger Fux des K. J. V. unter Zitierung von Herzl sie als »Jung-Mauschel« bezeichnet, und drucken diesen Vergleich, eingerahmt wie die Todesanzeige eines Berliner Repräsentanten, sogar aus einem deutlich als intern erkennbaren Heft ab, natürlich mit der Miene von Männern, die zu vornehm sind, sich getroffen zu fühlen. Sie vergessen in aller Vornehmheit, daß sie selbst in jungen Jahren, da der K. C. noch eine wirkliche Berechtigung hatte, da er wirklich aus der Not der Zeit geboren wurde, es ganz anders als heute verstanden, sich durchzusetzen, eben weil sie noch etwas durchzusetzen hatten. Liest man die Erinneamgen Mainzers aus der Gründungszeit der Badenia, die trotz oder gerade wegen ihrer nüchternen Sachlichkeit ungleich tiefer als das andere Gerede zu Herzen gehen, dann vergleicht man wehmütig jenes mannhafte Auftreten einiger gänzlich alleinstehender junger Studenten mit der heutigen geschlossenen Phalanx, die in all ihrer Kompaktheit nichts mehr zu verschenken hat und bei jedem lauten Wort vom Juden^ tum hysterisch zusammenschreckt, um die Einmütigkeit nicht zu ge^ fährden. Für uns gibt es da keine Berührungspunkte mehr. Wir halten den Burgfrieden für gebrochen, wenn ein K. C.^er behaupten darf, er fühle sich wahrlich nicht mehr als Jude, und wir lassen

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