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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 70

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 70)
Language
German
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68 Weitzmann, K, C-Geist Jiadi kosmischer Ganzheit strebenden Geist zunächst einmal dem fremden nationalen Körper um den Hals zu werfen und mit sicherem Instinkt festzustellen, daß »hier Einung war und ist und sein wird« und daß »wir fragen dürfen : kann das deutsche Volk uns über^ haupt zurückweisen?« So denkt und fühlt die geistige Elite des K. C.^ertums, und wenn ich schon nicht untersuchen will, wie sich die 12 Millionen nichtdeutscher Juden, an die Strauß doch bei seinen völkischen Neigungen auch gedacht haben muß, zu dieser Lösung stellen, so möchte ich erst recht davon absehen, das deutsche Volk um seine Meinung über solche Anbrüderung zu befragen. Diese ohnmächtigen Widersprüche, die mit aller Gewalt zur Liebe zwingen wollen und sich doch selbst so gründlich aufheben, daß zum Lieben nichts übrig bleibt, bauen sich außerdem auf einer charakteristischen Unwahrheit auf. Wenn wir schon dem Verfasser selbst den Willen und die Fähigkeit zum Erleben jener Gottes^ weit zutrauen, so müßte doch auch er bemerken, daß die erdrüdtende Mehrzahl der deutschen Juden — auf sie allein kommts ihm an — recht weit von solcher Tendenz entfernt ist und auch in ihren stillsten Stunden nichts davon ahnt. Die Religiosität dieser Kreise, soweit sie nicht schon ganz »freidenkend« geworden sind, vermag besten^ falls an den hohen Feiertagen festzustellen, wie der Rabbiner ge^ sprochen hat, und läßt im übrigen Gott einen guten Mann sein, und es ist wirklich nicht ohne Humor, sich diese völlig verflachte, banale, rationalistische Religiosität als den an Tiefe unerreichten Inhalt eines Ganzheitserlebens vorzustellen. Wo nimmt der kühne Entdecker nur den Mut her, schöpferische Kräfte, die wir andern erst für eine "schönere Zukunft, von einer Erneuerung unseres Volkes zu erhoffen wagen, einer Gruppe von schwankenden Ge^ stalten einzureden, deren menschliches .Ideal sich darin erschöpft, wohlgelitten zu sein? Hier liegt der eigentliche Grund unserer Feindschaft gegen alles K. C.^ertum : es hat, auch wenn es ernst aussieht, einen fatalen Zug ins Schönfärberische, ohne doch den tragischen Mut eines Don Quichote zu besitzen, es verwechselt spielerisch das Leben mit einem schlechten Roman, wo am Ende schon alles gut werden wird, und träumt sich die Wirklichkeit zusammen nach einem kümmerlichen Ideal, anstatt sein Ideal aus der le^ bendigen Erfassung der Wirklichkeit zu schöpfen. Das Judentum bedeutet hier kein Schidtsal und keine Aufgabe, um die es zu kämpfen lohnt, sondern ist nur eine Gelegenheit, leichten Herzens den Kopf darüber zu schütteln, daß die Welt noch immer so voller Vorurteil sei. Eine solche ganz nach außen gerichtete Welt^ anschauung bietet gar keine Möglichkeit zur Vertiefung, sie sieht die Probleme nie bei sich selbst, immer nur bei den andern, und wo sie tief sein will, konstruiert sie sich nirgends vorhandene reli^ giöse Inhalte. Ihr fehlt, alles in allem, jener Drang zur Wahr^ haftigkeit, der den Dingen ins Auge sieht, statt ihnen schwächlich auszuweichen, der sich eher verblutet als seine Erkenntnisse immer

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