Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Weitzmann, K. C.^Geist uns durch die Vornehmheit, die nur ein Zeichen ohnmächtiger Schwäche ist, nicht imponieren. Menschen, die erst auf dem Um^ weg über die andern zu sich selbst kommen, deren Zentrum außer^ halb ihrer Persönlichkeit liegt und die darum keins besitzen können, halten wir für ungeeignet, der jüdischen Jugend als Vorbild und Vermittler irgend welcher Werte zu dienen. Wir werden dafür sorgen, daß dieser heranwachsenden Jugend die Wahl nicht schwer wird, und daß es ihr erspart bleibt, ihr Innenleben dem Ideal eines Verschönerungsvereins zu opfern. S, W. Nachwort des Verfajfers: Ob mein Auffatz, wie Herr Schweitzer einleitend bemerkt, ein geiftlofes Madhwerk ift und nur „abgefchmackte Sticheleien" enthält, überlafle ich getroft dem Lefef zu entfcheiden. Wenn er mich aber einen anonymen „Helden im Halbdunkel" nennt, weil der Artikel nur mit den An* fangsbuchftaben meines Namens unterzeichnet war, fo hat er fich die Polemik doch zu leicht gemacht: Der Artikel erfchien intern, er diente ausfehließlich der Orien* tierung unferer Bundesbrüder, die den S. W. genau kennen, an Außenftehende konnte er nur gelangen, wenn der K. C. fein unrechtmäßig erworbenes Exemplar dazu benutzte. Herr Schweitzer mußte mindeftens erft abwarten, ob ich nach feiner Kritik, alfo bei der erften öffentficßen Gelegenheit, nicht doch mit meinem vollen Namen einfpringen würde. Seine fachlichen Vorwürfe charakterifieren fich am heften durch das, was er mit Stillfchweigen übergeht: Von der Stellung der K. C.=er zu den OftjudenA die ich in einem befondern Abfchnitt behandle, und von der Auseinanderfetzung mit der Straußifchen Philofophie, dem Kernfrück meiner ganzen Darftellung, — alfo von den eigentlichen, geiftigen Einwänden gegen den K. C., zu denen alle andern Citate nur Beifpiele liefern, wird nicht ein Sterbenswort erwähnt. Dafür will Herr Schweitzer feinen Lefern, von denen kaum einer den Artikel kennen konnte, einreden, ich hätte lediglich einige harmlofe Entgleifungen kämpfender Soldaten zusammengetragen und den foldatifchen Geift der K. C.^er verunglimpfen wollen. Die Tapferkeit, jüdilcher Soldaten, für die ja auch die K. J. V.*er ein lebendiges Zeugnis ablegen, hat aber mit ihrer Stellung zu jüdifchen Problemen nichts zu tun und fteht außerhalb der Diskuffion meines Auffätzes. Nur gegen einen Vorwurf des Herrn Schweitzer muß ich mich ernfthaft verteidigen. Ich habe tatfächlich den K. C. einer untiefen, nach außen gerichteten Weltanfchauung befchuldigt und trotzdem feinen Gründungsjahren eine wirkliche Berechtigung zuerkannt. Aber gerade an diefem fcheinbaren Widerfpruch zeigt fich, wie lehr meine Auffaffung zutrifft. Bevor es in Welteuropa einen Zionismus gab, blieb dem Einzelnen garnichts anderes übrig als nach außen gerichtet zu fein und lieh der Umwelt wohl oder übel anzupaflen, und der K. C. fuchte gewiß mit dem damals vorhandenen Maximum an jüdifchen Inftinkten die Aufgaben der Affimilätion zu löfen. Aber das eben werfen wir ihm vor und das verdammt ihn zur Unfruchtbarkeit, daß er an einer entfeheidenden Wende unferer Gefchichte völlig verfagt hat: er behielt feine äußerliche Auffaflung der Juden^ frage bei, als der erwachende jüdifche Nationalismus fchon die Möglichkeit einer inneren Wiedergeburt offenbart hatte. Damals wurde dem K. C. der Mutter* boden entzogen und er wurde zu jenem Zwitter von Deutfthtum und Judentum, der beides nur halb fein und deshalb nie ein Ganzes werden kann. Eine gründliche Löfung wird nach dem Krieg noch weniger als vorher zu umgehen fein, und der Geift des K. C. wird zeigen müflTen, was er der jüdifchen akademifchen Jugend noch zu fageh hat. Berfin=Hafenfee Dtp f. <Jng. Siegfried Weitzmajui