Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Weitzmann, K. C.^Geist 67 Wie erstaunt ist man aber, gerade die »reale Nationalität«,, von der bedauernd bemerkt wurde, daß die andern erst durch sie hindurch zu jener Gotteswelt gelangen könnten, während die Juden leider angesichts der überall noch vorhandenen nationalen Gebunden^ heit die »Idee der Menschheit« etwas zu früh konzipiert hätten —- diesen Umweg und Abweg einige Zeilen später mit vollem Munde gelobt zu sehen! Derselbe Nationalismus, dem das Judentum als. das Fertigere, dem Ideal erheblich Nähere, als Wegbereiter gegenübergestellt wurde, ist plötzlich »lebendig«, ist das »Innewerden eines aktiven Ganzen«, die Nation bedeutet gar keine Verengung, sondern kann im Gegenteil die zerstreuten Volkskräfte »zu leben^ diger Einheit binden und so erst zur vollen Entfaltung reifen lassen«, und am Judentum wird gerade seine Nationslosigkeit und seine kosmische Tendenz, die eben noch als der nur ihm eigene Vorzug ekstatisch besungen wurden, ungeheuer störend empfunden. Dem Verfasser fällt nämlich noch rechtzeitig ein, daß wir Juden doefi nun einmal mit realen Nationen zusammenleben, daß wir von. diesen als international und kosmopolitisch, als »fremd« abgelehnt werden könnten, wenn wir uns allzu sehr auf kosmische Ganzheit versteiften, und er entdeckt, der Jude müßte »in einer so gearteten nationalen Wirklichkeit seinen archimedischen Punkt finden können«.. Da aber der ganzen obigen Theorie das Genick gebrochen wäre, wenn das Judentum selbst wieder eine Nation würde, so muß es notgedrungen — nach einer andern Nation suchen, an die es sich anlehnen kann, um in dieser traurigen Welt nicht unter die Räder zu kommen. So sucht denn Strauß und findet mit beinah nachtwandlerischer Sicherheit den archimedischen Punkt nicht etwa außerhalb der Erde, sondern — das Gute liegt ganz nah — im Herzen des deutschen Volkes, dessen Wesen mit dem jüdischen »irgendwie schicksalsmäßig verknüpft ist«. Das »irreale« Volk der Juden und das »reale« der Deutschen, dem natürlich aus reinem Entgegen^ kommen ebenfalls trotz aller Realität eine »Ausweitung in einem großen, kosmischen Sinne« eignet, die geben glücklich wieder jenea guten Klang, der während des Weltkrieges in den K. C.-Blättern nun einmal Heimatrecht erworben hat. Jetzt verstehen wir erst, warum Strauß mit jenen zwar unbestimmten, aber immerhin ver^ pflichtenden Ausdrücken vom Ganzheitswesen und Ganzheitserlebnis beginnt, die seinen eigentlichen Zwecken doch recht hinderlich sind, warum er Buber zitiert und sfch scheinbar auf unsere Termino^ logie einstellt. Mit einer bloßen Religionsgemeinschaft kann im heutigen Deutschland kein Hund länger auskommen, das deutsche Blut würde einem auch nur schwer geglaubt, also bedarf man eines, leichten jüdisch-völkischen Anstrichs. Das Nationale wieder muß man für sich selbst ablehnen, da es zu den unangenehmsten Untere Scheidungen führen würde, bei den andern aber herzhaft anerkennen, da »wir Deutschen« es heute in seiner ganzen »Größe und Wucht erleben«, und so ergibt sich der geniale Ausweg, seinem