Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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60 f . K..J.V.-er*Fefdbriefe fchaften, Siedlungsheime, etc. etc. Jeder Pfennig, der nicht jüdifch angelegt ift, ift ein Verluft des jüdifchen Volkes. Erft wenn wir Itark in diefem Sinne arbeiten, haben wir Unterlagen für zioniftifche Politik. Anfangen können wir in Deutfchland {vielleicht im An* fchluß an das Volksheim) gerade fo gut, wie irgend wo anders. Das find die Forderungen, alfo das einfachfte an der Sache. Wie fie p'raktifch gelölt werden können, ift mir noch recht un* klar. Dein Ernfi Davidfoßn Ließer ßundesßruder Hofcfßeim, <lie beiden Fuxenbriefe von Dir fowie die übrigen Rundfehreiben und J. St.*en habe ich mit Interefle gelefen. Dein Vorwurf im Fuxenbrief galt auch mir, und ich will ihn nicht zu befchönigen verfuchen. Für Dich ift es nicht leicht, die Kriegsfüxe näher kennen zu lernen, da der Krieg es nicht ermöglicht, aktiv in der Verbindung tätig zu fein. Du halt aber ein Anrecht darauf, unfere Anfichten und Zweifel, foweit es durch einen fchriftlichen Verkehr möglich ift, kennen zu lernen und Deine Erziehungs* arbeit danach einzurichten. — Deine Ausführungen über Bundesbrüderlichkeit haben mich recht erfreut. Ich habe nichts gefunden, woran ich Anftoß nehmen könnte. Kurz vor meiner Aktivmeldung hatte ich mit Rudi Pick ein längeres Gefpräch über diefes Thema geführt und dabei angezweifelt, daß ich fremden Menfchen von Anfang an mit der von Pick gefchilderten Herz* lichkeit und Vertraulichkeit entgegen* treten kann. Doch bald wurde ich eines Belferen belehrt. Zweimal war ich zu einer K. J. V.*er Zufammenkunft in Charleville und war nicht wenig erftaunt zu fehen, wie Menfchen, die lieh bis dahin noch nicht perfönlich kannten, zufammengehalten durch das Band innerer Zufammengehörigkeit in fo herzlicher und vertrauter Weife mit* einander plauderten. Und dann die Freude, die jeder empfand, der einen alten Bundesbruder nach langer Zeit in diefem Kreife wieder begrüßen konnte. Wir hier draußen empfinden ja eine folche freudige Qberrafchung viel frärker, als Ihr in der Heimat. Unterdeßen habe ich recht oft, be* fonders in Sedan, die Freude gehabt, Bundesbrüder bei mir zu Gafte zu. haben. Ich habe viele prächtige Men- Ichen unter ihnen gefunden, mit denen mich auszufprechen mir mehr als ein Vergnügen, oft ein Erlebnis war. Außerdem habe ich die Freude, daß meine beiden Freunde (Locker und Wblff) auch K. J. V.*er find. ~ Ein kleines Erlebnis, das ich in Sedan hatte, will ich Dir noch erzählen. In meiner Schreibftube war ein junger chriftlicher Student befchäftigt, der einer burfchenfchaftlichen Verbindung angehörte. Er war oft dabei, wenn mich ein Bundesbruder befuchte und ich mit ihm plauderte. Am Abend fagte er mir bei der Arbeit, daß er erftaunt fei, wie wir miteinander gefprochen hätten. Er erzählte mir, daß, als er im Felde ein* geteilt wurde, fein Zugführer, ein junger Leutnant, Bundesbruder von ihm ge* wefen fei, der oft mit ihm am Kneip* tifche geleflen und geplaudert hätte. Als diefer ihn erkannte, hatte er nur die Worte für ihn übrig : »Na hoffentlich werden Sie als Soldat mehr leiften als am Kneiptifche.« Nach längerer Ausfprache mit diefem jungen Burfchenfchafter fagte er ganz un* vermittelt zu mir: »Ich glaube, daß uns* ein falfches Bild von Euch Juden aufgezwungen wird. Wir könnten viel von Euch lernen.« Welchen Eindruck diefe aus innerfter Überzeugung ausgefprochenen Worte auf mich machten, wirft Du verliehen. Es wird hoffentlich ftets mit zur Haupterziehung in unferern Verbindungen gehören, diefes Zulammengehörigkeitsgefühl zu vertiefen und noch ftärker werden zu laflen. Gerade wir Juden haben das bitter nötig. Der bei uns Juden fo befonders ausgeprägte Trotz und Eigenwillen hat auch in unferer zioniftifchen Bewegung oft Schaden angerichtet oder doch den Weg zum Ziel verlangfamt... Es gefchieht ja jetzt viel1, um auch die nichtzioniftifche Jugend jüdifcher zu erziehen und zu einem Ganzen zufammenzufchließen. Fall alle Bundesbrüder, mit denen ich darüber fprach,- äußerten fich Itark ablehnend zu diefer Arbeit, ich glaube indes, daß fie, richtig ausgeführt, uns nur zweckdienlich fein kann. Wenn wir erft mehr praktifche Arbeit und mehr Erfolge in Paläftina erzielt haben, wenn unfere Hoffnung auf Zion verwirklicht wird, fo wird1 auch bei diefer Jugend ihr jetzt nur