Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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K.J,V.-er-Feldbriefe 57 ganifation des Zionismus inkl. der materiellen Mittel, 2. die Verbreitung der hebräilchen Sprache und 3. die Diskuflfion der modernen Problem^. Freie Organisierung in größerem Maße ift während des Krieges nicht möglich, da der Zionismus nicht legalifiert ilt, jedoch flehen die Mitglieder Dr. Rofenbaum für jede Aktion zur Verfügung. Sie geben jetzt eine Reihe Brofchüren über die aktuellen Probleme in jiddifcher Sprache heraus zur Aufklärung der Malten. Es find meift Übertragungen von Auffätzen aus der Jüdifchen Rundfchau. Große Geldfammlungen find bei der pauperifierten Bevölkerung nicht angebracht, doch haben die Mitglieder der Z. Z. eine Selbftbefteuerung von 1 Pfg. pro Tag eingeführt zu Gunften des N. F. Zu diefem Zweck haben fie Kontrollbücher angelegt. Für die Verbreitung der hebräifchen Sprache leiften Tie ungemein viel. Ihrer Verdienfte um Schulzwecke wird.fpäter gedacht werden. Für Erwachfene find eine Reihe Abendkurfe zur Erlernung der hebräifchen Sprache eingerichtet. An regelmäßigen Abenden führen fie ihre Mitglieder und weitere Kreife in die hebräifche Literatur ein. Mit großer Gründlichkeit werden alle wichtigen Probleme erörtert, fo in letzter Zeit die nationale Landarbeiterfrage in Paläftina, die amerikanifche Kongreßhewegung und vor allen Dingen die Hechaluz-Bewewegung, die Anfiedhing von landwirtfchaftlichen Arbeitern in Pioniergruppen in Palältina nach dem' Kriege. In der großen Pokulankaftraße haben fie fich ein gemütliches, geräumiges Heim gefchaffen. Alle Bekanntmachungen, Anfchläge und Ankündigungen find in hebräifcher Sprache. Die Mitglieder Hammen aus dem Proletariat und dem Mittelftand. Sie find Zwilchen 18 und 26 Jahren. Ihr Wefen Ift überaus einfach und befcheiden und wirkt wohltuend im Vergleich zu den Diskuffionen der weltlichen Jugendgruppen. Bei ihrer großen Begeisterung für das gemeinfame Ideal kommt ihre partikülariftifche Eigenart nicht zum Ausdruck. Ich verfuchte fie für die Turn- und Wanderbewegung zu erwärmen und ftieß auf fruchtbaren Boden. Linter Anleitung des Hamburger Blau- Weiß- Führers Wertheim bereiten fie jetzt veine Wandergruppe vor. II. Das ßeßrät'fcße Scfoufwefen. Die Deutfchen haben in Wilna ein ganz neues Schulfyftem eingeführt, Organifatorifch ift das einfach eine fabelhafte Leiftung. Politifch ift es ein Radikalmittel zur nationalen Deftruktion der jüdifchem Mafien. Es gibt nur zweierlei Schultypen: die polnifcfie und die jüdifche Schule. Infolge der jüdifchen Obftruktion gegen diefe LImgehung eines zahlreichen kulturell gefchloflenen Bevölkerungselementes hat die deutlche Verwaltung das formelle Zugeftändnis gemacht, daß die jüdifchen Schulen des zweiten Typs fich jüdifche Schulen nennen dürfen, ohne jedoch den Lehrplan abzuändern. So lange die Sprache der angebenden Mitbürger und vor allen Dingen der Intelligenz ruffifch und polnifch war, war das Jüdifche ein genügendes Differentium. Sobald das Deutlche an deren Stelle trat, mußte eine AlTimilation von gewaltigen Dimenfionen eintreten, deren Folgen fich heute fchon in Taufen- und Mifdiehenftatiftiken zeigen. Eine Schädigung des Hebraismus zu Gunften des Jiddifchismus muß deshalb geradezu als nationales Verbrechen angefehen werden, ähnlich den Beftrebungen eines Mofes Mendelfohn vor 125 Jahren. Die Initiatoren diefer Bewegung in Deutichland erfafien meiner Anficht nach nicht entfernt die Tragweite ihres Vorgehens, wodurch fie zu Gunften augenblicklicher politilcher Scheinerfolge unfere nationale Zukunft aufs tiefite gefährden. Da man in der deutlchen Verwaltung noch in Ungewißheit über die Zukunft Litauens ilt, hat man fich dort zur exakten Durchführung der vorgefchriebenen Lehrpläne noch nicht entfchloflen. Infolgedeflen erteilen fall alle jüdifchen Schulen mehr hebräifch und jüdifchen Realienunterricht als angegeben. Ganz unabhängig davon haben die Zioniften ein großartiges hebräifches Schulfyltem eingerichtet. Über die ganze Stadt dehnt fich ein Netz von hebräifchen Kindergärten. Von diefen konnte ich leider nur den an die 5. Volksfchule angefchlofienen befuchen. Durch fogenannte Fröbelfpiele werden die kleinen Kinder fpielend in die Sprache ihrer Väter eingeführt. So zeigt man hier ein Spiel, in dem die Kleinen nachahmen, wie die Maurer die einzelnen Teile des Haufes bauen. Ein anderes zeigt einen Wettft'reit vermiedener Mufikinftrumente ufw. In der ganzen Stunde wurde nur