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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 55

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 55)
Language
German
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Einzelheiten dafür ilt nicht minder, was aller Orten an Plänen auftaucht wieder verworfen, halb durchgeführt wird und mitunter bis zum Ziele gelangt. Es ilt immer das Gleiche: Überall in Deutfchland und anderswo fitzen Menfchen voll der leidenfchaftlichften Anteilnahme an der Erneuerung vor allem des jüdifchen Menfchen und finnen, wie fie ihrerfeits mithelfen können, daß aus der Gefinnung die Tat werde. Und aus der Fülle der Ideen taucht neben unreifen Theo^ rien und unfruchtbaren Schreibtifchgedanken häufig ein Plan auf, der den Zukunftskeim in fich trägt. Diefer Art war die neue Idee des Jüdjfcßen Voffcs* heims, das die Kinder des jüdifchen Großftadtproletariats von innen heraus erfaßten, aus ihrem Milieu reißen und zu Menfchen erziehen will, denen zwar nichts von ihrem Volljudentum genommen, aber neu vermittelt werden foll, was ihnen im Laufe der Generationen abhanden kam : der gerade Sinn und das offene* Auge, die Freude an der Natur und Fähigkeit des Schauens, körperliche Kräftigung und damit Stählung des Willens. Im Rahmen diefer Volksheime, die mit Kindergärten, Knaben- und Mädchenclubs zum Lefen, Mufizieren und Wandern, Werkftätten zur Ausbildung der Handfertigkeit, etc. ihre Wirkfamkeit begonnen haben*), ilt jetzt bei Leipzig ein Projekt eingeleitet, das die gleichen Ziele durch eine Jüdifche Garten Baufiedfung erftrebt. Es befteht in Leipzig bereits ein Aßendßeim für jüdifdße Mädchen, das einen fehr geeigneten Rahmen für die Durchführung diefes Planes abgab. Die in diefem Verein zufammengefchloflenen Mädchen, ihre Angehörigen und Freunde bildeten durch die Tatfache, daß fie durch unfere Idee bereits beeinflußt find und ihre Empfänglichkeit dafür dargetan haben, das berufene Menfchen* material, die Idee in die Wirklichkeit umzufetzen. Der Verein hat bis jetzt drei Morgen Land gepachtet, von denen er zwei an jüdifche Familien weiter verpachtet hat. Diefe follen vor allem von den Kindern der Pächter mit Kar* toffeln und irgend welchen jetzt befonders erwünfchten Gemüfen beftellt werden. Diefe Art der Nutzung hat fich als notwendig herausgeltellt, um '*> Es wird von ihnen in dielen Blättern noch ausführlich die Rede fein. D. Red. die mögliche Abneigung der Eltern,, ihre Kinder zurv Gartenbauarbeit zu fchicken, zu überwinden, indem man fie felbft an der Arbeit ihrer Kinder teilnehmen läßt und ihnen auch praktifche Vorteile, die gerade jejzt von befonderer Bedeutung find, in Ausficht ftellt. Der dritte Morgen ift als Schulgarten gedacht in ihm foll jedes Kind fein Beet haben und außerdem an den gemeinfameti Arbeiten zur Pflege aller Gemüfearten teilnehmen. Der ganze Schulgarten fleht unter der Leitung einer gefchulten Palältinenferin, Fräulein Elfriede Bämbus, der einige junge Mädchen, die ihre ganze Zeit diefer Sache zur Verfügung Hellen, und einige andere, die ihre gefchäftsfreie Zeit zur Mithilfe verwenden, zur Unterftützyng beigegeben find. Es haben fich bisher 30 Kinder zur Teilnahme an diefem Schulgarten gemeldet. Die Produkte des Gartens follen an jüdifche Familien verkauft werden und der mögliche Gewinn wieder der Gartenbaufiedlung^zu^ fließen. Die notwendige materielle Fundierung für das gefamte Unternehmen ilt vor allem durch Private erfolgt: es haben fich an ihr aber auch in dankenswerter Weife die Leipziger Jüdifche Gemeinde, die Loge und der Bodenkulturverein <Berlin> beteiligt. Die Vorarbeit zur Aufbringung des Geldes ilt für uns immer wieder lehrreich, aber gleichzeitig auch eine Arbeit, die an fich von Bedeutung ilt. Es ilt von ungeheurer Schwierigkeit, aus diefer kapitalkräftigen deutfchen Judenheit, die für alle nach außen berechneten Wohltätigkeitsakti-- onen unbefehen gewaltige Summen hergibt, die wahrhaftig geringen Kapitalien zu erlangen, die für folche Sache gebraucht werden. Es ilt nicht immer fchlechter Wille, aber es ilt eine ungeheure Verltändnislofigkeit für die Lage unferes Volkes und für das, was ihm nottut. Und es ilt häufig — was noch fchlimmer ilt — Intereflelofigkeit für alles Jüdifche. Man weiß das vorher und Itaunt doch immer wieder, wenn man praktifch mittendrin fteht. Um fo notwendiger aber ilt es, Aufklärungsarbeit zu leilten. Und darin liegt die Bedeutung, die eine folche vorbereitende Sammeltätigkeit an fich hat. Und wenn es auch nur Einer unter Zehnen ilt, dem dabei Interefle für das abgewonnen wird, worauf es uns ankommt — dann war

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