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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 50

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 50)
Language
German
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48 Weifzmdntt, Alfred Woifenftdn werden, fie muß den leidenden Subjekten felbß entfpringen <»dfe Woge fchwillt von fich«), und er findet fie fchließlich in der Ge^ meinfdiaft gleich empfänglicher und gleidigeriditeter Geißer: Der Treundfchaft, feiner »einzigen Möglichkeit«, iß der ganze zweite Teil und der Titel des Buches gewidmet. Aber gerade an diefer Löfung zeigt fich, wie eng die ethifche Tendenz mit feinem künß^ lerifchen Schaffen zufammenhängt. Denn diefe Tendenz braucht Kunft und Leben nur noch als ein Mittel, eine mehr oder weniger geeignete Anregung, um zu höherer Einficht, zu einer einheitlichen Auffalfung der weit, zu jenen gleichgerichteten »fernen Nächlten« zu gelangen: »Ober Deinen braunen Boden gefpannt empfangen unfere Saiten an Dir ihren Schall, aber Dir gilt der Gefang nicht, fchönes, be~ wußtlofes Land«. Der Dichter läßt fozufagen die Schöpfung auf fich beruhen, eine Idee hat feinen Gefialtufigswillen unterjocht und enthebt ihn der künfilerifchen Verpflichtung.' Damit wird allerdings auch jeder künßlerifche Zwiefpalt gründlich befeitigt, weil eine fo de^ fradierte Kuhß dem Geiß keine ernßhaften Probleme mehr fiellt is iß charakterifiifch nicht nur für Wolfenfiein, fondern für all jene — faß ausfchließlich jüdifchen — Literaten, die zum Kreis der Berliner »Aktion« gehören, daß fie die künßlerifche Leißung in eine ethifche, die Dichtung in Tat und L^hre umzufetzen nicht müde werden. Ich wjll unerörtert lalfen, ob nicht gerade diefer Drang nach belferen menfchlichen Möglichkeiten einem uralten jüdifchen Erbe entfpringt. Er fetzt gewiß edle geifiige Kräfte voraus, aber er liegt ewig außerhalb der Kunß und kann zu ihrer Einfpannung in die Zwecke des handelnden Menfchen nur Temperamente yer^ führen, die von ihrem Urquell nicht mehr unmittelbar gefpeiß find. Denn der Künßler kennt keinen anderen Zweck als den, die Schöpfung auszufprechen, er dichtet nicht nach einer Weltanfchauung hin, fondern trägt die Welt als einen lüdkenlofen Kosmos in fich, den ihm das eigene Schaffen nur immer mehr verdeutlicht, und fo gewiß er das Ethos wie jede andere Form lebendiger Kräfte zum Gegenfiand der Dichtung machen kann, fo wenig wird es je feine leitende Idee, fo amoralifch und fo jenfeits von Gut und Böfe bleibt fein Werk. Wo geißige Tendenzen dennoch mitgewirkt haben, da hat noch immer der Poet verloren, was der Menfch fewann,- man muß fchon ein Tolfioi fein, um über der Geßalt der /laslowa vergelfen zu lalfen, welchem Antrieb die »Auferßehurifc« ihre Niederfchrift verdankt. Der Jude Wolfenßein fucht menfchlich zu gewinnen, was ihm die Wirklichkeit an Offenbarung fchuldig blieb. Seine Flucht vor der »höllifchen Wirrnis« des Lebens in die reinen Gefilde der Freundfchaft, der ganze Inhalt feiner Ge* dankenlyrik iß eine wenngleich unbewußte, wenngleich von hohem menfchlichem Willen getragene Ausflucht, um das ihm verfchlolfeae Außen durch ein ihm zugängliches Innen zu erfetzen. Er fiellt den Gedanken über die Geßalt und wähnt — ein Künßler — in ver* meflenem Glücksgefühl, »unendlich weiter« als die vor ihm aus-

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