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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 47

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
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Weitzmattn Alfred Wolfenftein 45 Schöpfung wieder in Zusammenhang. Aber er tut noch mehr, —- und es fcheint, als müßte feiner Begabung doch ein weiterer SpieU räum zugeßanden werden. Er begnügt fich durchaus nicht immer .mit dem Stück Himmel, das feine Mietskafernen übrig laßen, fon^ dem zieht oft genug — faß in einem Drittel aller Gedichte — jenem heimlichen Ausweg' die direkte Verbindung, dem Stadtbild einen Wald oder Hügel oder baumumfiandenen See, kurz einen rein landfdiaftlichen Hintergrund vor. Ja, er empfindet die Groß* ßadt häufig als unerträgliche Felfel, fie fiarrt ihn an »ßumm, daß ich werde ßumm«, und zwingt ihn immer wieder, vor ihrem »Antlitz, •das die Börfen fraßen«, in die wirkliche Natur zurückzufliehen, fleich als läge hier das eigentliche Zentrum feiner Perfönlichkeit. olche Deutung würde feiner Eigenart gewiß noch weniger gerecht; Denn die Natur gibt diefem Sucher garnicht, was ihm die Stadt ver* weigert: Er geht »fo unruhvoll durch Bäume wie durch Zimmer« und fieht fein Leben fymbolifiert in einem zwifchen den Orten hineilenden Weg, der den Wald zerfiört, weil er als fremdes Element in ihn einbricht, und der doch berufen iß, das Chaos der Stadt in reinere Gefilde überzuführen. »Der runde Wald . . furcht fich von meinem Stoße ... Es blutet um mich her aus vergewaltigtem Schöße . . Ach, nicht Stadt bin ich noch Tier . . « Diefer er* fchütternde Zwang, die Szenerie zu wechfeln, diefer doppelte Verzieht iß gewiß nichts weniger als der Ausdruck fouveräner dichterifdber Willkür, die mit gleicher Schöpferfreude über allen Waflern fchwebt. Er entfpringt auch nicht nur einem Zwiefpalt des Denkens oder des feefifchen Gleichgewichts, der bloß ein inhaltliches Problem wäre und die künßlerifche Leifiung garnicht zu berühren brauchte, fondern fiammt aus einer tieferen, einer entfeheidenden Diskrepanz im Mark diefer Gedichte : im Material ihrer Sprache. Es gelingt Wolfenßein auch da, wo ihn ausfchließlich die Großfiadt befruchtet, nur feiten, aus ihrer Atmofphäre felbß auch die Worte und Bilder für ihre dichterifche Darfiellung zu fchöpfen. Wenn er beifpielsweife einen elektrifchen Schaltknopf dadurch zu veranfehaulichen fucht, daß fein »Knacken wie ein Schnabel meines Zimmers Waldung fingend überfliegt«, fo gibt er fich einer optifchen und akußifchen Täufchung hin, die in Wahrheit jede Anfchauung aufhejbt. Hinter der Waldung eines Zimmers fieht das Auge weder Zimmer noch Wald, und fo gewiß der Schalter durch einen hereinfliegenden Vogel in den Atem aller Schöpfung einbezogen werden kann, fo wenig gibt der Vergleich mit diefem Vogel feinem Knacken eine Bewegung und einen Klang, die beide feiner Materie fremd find. Denn hier geht nicht ein kleinerer Inhalt in einen umfaffenden andern zu höherem Leben ein — wie etwa in dem Gedicht »Naher Stern«, wo eine Mücke um eine elektrifche Birne fchwärmt und alfo nur der innere Sinn eine Erweiterung der Perfpektive vorzunehmen braucht, — fondern zwei .getrennte Anfchauungszonen werden zu einer gemeinfamen Funktion verkuppelt und zwingen unfere räumliche Vorfiellung, ihre völlige

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