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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 40

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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38 Üußafcßoff, Erstlinge Befeitfdiaft liegen, da, wo es nur Roft des Mittelalters abzulecken gibt, und da, wo nur fein Papfttum, fein Zunftwefen, fein Kaftenfinn und fein Streben nadi Abfonderung überhaupt in taufendftimmigen Hymnen zu preifen ift. Wie in der Natur das Einzelne zur Gattung emporfteigt, bis diefe fich in das All verliert, alfo ift es die Aufgabe des Menfdiengefchledits, daß es von dem Befondereri immer weiter und weiter fich zum Allgemeinen erhebe, welches der gehofften Perfectibilität des Menfdiengefchledits Endpunkt und letzte Grenze wäre. Und wie dem Auge die Sonne von Often her ein kleines Licht heraufzieht und immer nach des Horizontes Mittelpunkt ftrebt, bis fie des Erdballes Hälfte beleuchtet alfo ift auch das Menfdien^ gefchlecht im Often in feiner kindlichen Befonderheit, in feiner Knofpengeftalt mit verfdiloffenem Kelche zu fchauen, bis es fich öffnend und die Keime ans Licht bringend allmählich zur größeren Blume entfaltet. ' Und jene, fo der Ohnmacht leibeigen find und dem Siechtum, fie wollten in die Speichen des Weltrades hemmend eingreifen, und das Raffeln und Knarren ertötete fie nicht? Sie wollten das unumftößliche Gefetz, wonach fich Natur und Gefchichte entwickeln, umftoßen und befinnen fich nicht, daß fie kaum Zeit haben es anzufchauen? Meine Herren und Freunde! Laffen,Sie fich durch die Gefpenftererfcheinungen einer häufig fiechen Zeit nicht irre machen. Wir haben ein Vaterland und dürfen uns diefes Vaterlandes freuen. Wir find Bürger eines weifen Staates, Untere tanen eines milden Beherrfchers, und wir dürfen uns deffen freuen. Wie wir hier verfammelt find, haben wir den Bildungsanftalten und den mannigfachen wohltätigen Vorkehrungen und Einrichtungen diefes unferes Vaterlandes den Grad von Einficht zu verdanken, zu dem wir gelangt find, und diejenigen Kenntniffe, die unfer Eigentum geworden ,• und fo ift die dankbare Treue gegen diefes Vaterland ynd feinen Beherrfcher, die frommte Pflichterfüllung mit nie zu eriöfchender Flammenfchrift in unfere Herzen gefchrieben. Aber wir fchauen um uns, und siehe, dem bei weitem größern Teil unferer Glaubensgenoflen hat der Zufall nicht wie uns wohU gewollt / ungünftige Verhältnifle haben fie zu dem Nachtrab geftellt, oder, daß ich bei dem fchon einmal gebrauchten Bilde bleibe, fie halten fich, geblendet noch immer, die Augen zu, oder fehen gar nichts ob des vielen Lichtes. Und wie jener Greis, der ein halbes Jahrhundert im Kerker gefchmachtet, nachdem ihm die Kerker^ pforten endlich entriegelt, die Freiheit verwünfchte, die er ohne Führer, ohne Freund genießen follte, und mit Sehnfucht nach dem ihm teuer gewordenen Kerker zurückblidtt: alfo blicken viele unferer Glaubensgenoflen, freundlos und führerlos, aus der neuen Heimat mit Sehnfucht zurüdt in die alte, wo fie doch den Halt hatten, deffen fie jetzt gänzlich entbehren müflen. Und fo, meine Herren und Freunde, wäre ich denn wieder bei dem Punkte angelangt, von dem ich ausgegangen bin, und zu dem es meine Abficht war zurüdtzukommen. Von dem Satze war

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