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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 34

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 34)
Language
German
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32 Rußaßfioff,. Erftlinge Die Alten Friedländer, Bendavid, Jacobfon etc. — die jeder aufgeklärten jüdifdben Gefellfchaft froh waren, und audi die jüngeren Hamburger Reformatoren —- Auerbach, Salomen, Kley — die das Werk diefer Alten, wenn audi in einer abgeänderten Form, fortgefetzt haben, gefeilten fleh fchnell diefer jungen Schar zu. Sie gehören aber einer andern Welt an und ftöreri nur die Herauskrißallifierung des wahren Gefichts diefer Erftlinge der Selbft^ befinnung. Das erße Dogma des Vereins war : Keines der Mitglieder darf zum Chrifientum übertreten. Angefidits der hartnäckigen Verbohrtheit der nichtjüdifchen Öffentlichkeit in die entgegengefetzte Forderung und der ungeheuren MalTentaufen der widerftandslofen großfiädtifchen Intelligenz und Geldjuden war diefer Befchluß eine grandiofe Verfchwörung einer empörten und in ihrem Stolz gekränkten Generation. Und fein bedeutendes Werk w^r die Grundfteinlegung einer neuen wiffenfchaftlichen Disziplin, die die Ergründung des wahren Gehalts des Judentums zur Aufgabe hatte und die bedeutendße Gabe darßellt, die das deutfehe dem Gefamtjudentum fdienkte. Durch die wiflenfchaftlichen Vorträge und Diskuffionen, die fie bei ihren regelmäßigen Zufammenkünften unter der Leitung des wiffenfdhaftlich weitaus Bedeutendßen unter ihnen, des vDr. Leopold Zunz, abhielten, fuchten fie die erfehnte Erkenntnis zu erringen. Durch die Zeitfchrift, die fie fchufen eigentlich die erße wilfenfchaftliche jüdifche Zeitfchrift in deutfeher Sprache — erfirebten fie, die Ergebnifle ihrer Forfchungen und ihre neu entßan denen Ideen in die Öffentlichkeit zu tragen und fie fo in ihrem Sinne zu befruchten. Durch die Schule, die fie gründeten, wollten fie eine neue Generation erziehen, die diefen inneren Zwiefpalt nicht kennen und #den Forderungen der brutalen Wirklichkeit fleh preiszugeben nicht gezwungen fein follte. So geßaltet fleh der erße Verfuch der Selbfibefinnung einer bereits entjudeten Intelligenz in Deutfchland. In den 'Stunden fchöpferifcher Verzweiflung und aufrichtigen Suchens überkam fie manche Erleuchtung und manches erfchloß fich ihnen, was ihren Zeitgenoflen und fogar Nachkommen verfchloflen blieb. Keine diefer Offenbarungen aber veranlaßte fie zu umwälzenden Taten. Stark genug war die Wirkung der Selbfibefinnung, um fich gegen die Konfequenzen der entjudeten Wirklichkeit aufzubäumen. Zu tiefgehend war aber die Entjudung, als daß die Selbfibefinnung die Wirklichkeit neu zu geftalten vermocht hätte. Was ihnen als Berufung erfchien, war die Erfüllung der zwiefachen Aufgabe: das von ihnen gelebte Leben nicht aufzugeben und trotzdem feinen verhängnisvollen Konfequenzen zu entgehen den bereits begonnenen Prozeß, das Aufgehen der jüdifchen Wirklichkeit in die deutfehe, fortzufetzen und zugleich damit die Individualität diefer beiden Welten zu wahren. Enthaupten und leben zu laffen. Und was merkwürdiger ift: was ihnen als Weg winkte und Troft und

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