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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 33

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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Rußafcßqff, Erftlinge 31 fichtslos aufgehoben. Auf den Straßen Berlins und Frankfurts brachen öffentliche judenfeindliche Kundgebungen aus. Das ver* heißungsvolle Werk einer ganzen Generation fehlen im Begriff zu* fammenzubrechen. Für die Älteren und noch im Judentum Wur~ zelnden, für die die Affimilation eine Aufgabe darfiellte, war diefer plötzliche Mißerfolg ein Beweis der Unzulänglichkeit der bis jetzt gemachten Konzeffionen und diente als Anfporn zur weiteren und konfequenteren Fortfetzung desselben Weges. Reichte nicht das Aufgeben der eignen Sprache aus, fo mußte auch die Religion einer Änderung unterzogen werden, genügte nicht der Verzicht auf die jüdifche Gerheindeverwaltung, fo mußte auch die Hoffnung auf die dereinßige nationale Erlöfung preisgegeben werden. Und als die nichtjüdifche Öffentlichkeit auf dem Prinzip des homogenen konfeffionellen Staates beharrte, da brachte es einer der Propheten diefer Generation fertig, auch bezüglich der chrifilichen Religion mit einem proteßantifchen Paßor um etwaige Zugeßänd* nifle zu handeln. Anders aber wirkte diefe Kataßrophe auf dte junge Generation, die bereits innerhalb der Affimilation erwuchs und vom Ideal des Kampfes um fie nie befeelt war. Der Staat, dem fich zu weihen fie fich vorbereitet hatten, ßempelte fie zu Fremden und Unvollwertigen. Profefforen und Akademiker, die lie als ihre Meißer und Waffenbrüder betrachtet hatten, erklärten ihnen öffentlich den Krieg. Ihnen, die ganz fo find, wie ihre nichtjüdifchen Kommilitonen, wird die Aufnahme in die nichtjüdifche Kulturwelt, die fie als die ihrige empfinden, verfagt und als »Entreebillet« erfi das Losfagen von der Religion der Väter verlangt. Ja, noch mehr : das Bekenntnis zu einer andern Religion. Von ihnen, 'den Atheifien und Freigeifiern, die eigentlich keine Religion haben, die fie aufgeben könnten, und zu keiner neuen Religion fich bekennen können, ohne zu lügen. Aber wozu braucht die Kultur#elt, die fich ihnen zum erßen Mal als eine fremde und feindfelige zu erkennen gibt, diefe fchmachvolle Lüge? Kommt es ihr wirklich nur auf eine bloße äußerliche Maskerade an? Was verfpricht lie fich davon? Was iß es, das als Preis verlangt wird, das aufgegeben werden foll? Mag wohl diefe Forderung nur eine temporäre fein, vor der man nicht zurüdtzufchredten braucht,- aber wie konnte überhaupt diefes Mißverfiändnis entßehen? Was iß das Judentum? Wie verhält es fich zur europäifchen Kultur? Was bedeutet es, Europäer und Jude zugleich zu fein? Sind ße in der Tat zwei entgegengefetzte Welten? Entgegengefetzte oder bloß verfchiedene? Und wie find fie dann zu überbrücken? Wie laßen fie fich beide von einem Geifie tragen? Und eine fchöp* ferifche Sehnfucht nach Klärung, nach Wahrheit ergriff die reine, idealifiifche Jugend, die keine anderen Ewecke als die der Wahr* heit verfolgen konnte und niemandem zuliebe in der Lüge und Selbfiverleugnung eine Rettung finden wollte. Und es entßand diefer Verein.

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