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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 32

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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30 Rußafcßoff, Erftlinge ERSTLINGE Einleitung zu den Drei Reden von Eduard Gans im Kulturverein Erßlinge der Entjudung waren die jungen Akademiker und Intellektuellen, die im Jahre 1819 in Berlin den »Verein für Kultur und Wiflenfchaft der Juden« gelchaffen hatten. Der wirtfchaftliche Auffchwung, . der den Affimilationsprozeß einge^ eitet hatte, datierte erß vom Freiheitskrieg und zählte nur einige ahre. Die bürgerliche Emanzipation, die als Endergebnis diefes ^rozefles erfchien, war noch um drei Jahrzehnte entfernt, Der Geilt der Entfremdung ergriff nur die Spitzen des deutfchen Judentums, feine weiteren Schichten aber wurzelten noch in den Reften der alten Formen. In manchen großen Gemeinden re^ gierten noch berühmte Rabbiner. Nach Lifla, Pofen, Frankfurt a. M. ßrömten noch Talmudjünger von nah und fern. Die Kinder der Provinz befuchten noch den gut jüdifchen Cheder. Zuhaufe wurde noch zumeiß jüdifdi gefprochen. Selbß die Vorgefchritteneren kor^ refpondierten noch miteinander in deutfcher Sprache mit jüdifchen Lettern. Zunz, der zu den Begründern des Vereins zählt, war der erfie jüdifche Knabe in Wolfenbüttel, der ein Gymnafium befucht hat. Dasfelbe foll auch für Joß in Frankfurt a. M. gelten, der ebenfalls diefem Kreife angehörte. Ihre Eltern führten zum Teil diefelbe Lebensweife wie ihre Väter und Vorväter mit "dem Unterfihiede nur, daß sie an ihr kein Gefallen mehr fanden und die fremde Gemeinfchaft, die fich ihnen aufzutun fchien, ihnen als eine belfere und wünfchenswertere winkte. Von diefer Überzeugung getragen, brachten lie ihre Kinder in nichtjüdifche Schulen, zu nichtjüdifchen Lehrern, unter nichtjüdifche Kinder, damit die nichtjüdifche Gemein^ fchaft vom Beginn an die ihrige werde. Sie, die Kinder, waren alfo erß die erße Generation der tatfächlichen Entjudung. Delfenungeachtet durchkoßete diefes Gefchlecht die Affimilation in ihrer ganzen Tiefe. Die Schule befiegte fchnell das Haus, das fich gern befiegen ließ. Die Jungen zogen ihre geißige Nahrung aus deutfchen Quellen, lebten mit der ganzen Kraft ihrer Seele das deutfche Ideen^ leben mit und waren darauf eingeßellt, ihre fpätere Wirkfamkeit in einer deutfchen Umgebung auszuüben. Für fie war die Affimilation nicht mehr Ideal, fondern Wirklichkeit, und hatte daher auch nicht mehr den Reiz eines Ideals, den es für ihre Eltern hatte. Einen Augenblidt fchien es, daß auch die deutfche Geißesweft mit der Bereicherung durch diefe neuen und manches verheißenden Kräfte zu^ frieden fei. Die Väter und Erzieher konnten froh fein. Ihr Werk war geglückt, und die Erßlinge entfprachen ganz der Hoffnung ihrer Säer. Da kam der politifche Rückfchlag von 1815. Die heilige Allianz und die Lehre vom chrifilichen Staat vernichteten jeden Refi der von der franzöfifchen Revolution überlieferten Freiheits^ tendenzen. Die Einzelverfuche der jüdifchen Gleichberechtigung — in Preußen, Frankfurt a. M., den Hanfaßädten — wurden rüdt^

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