Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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SternBerg, Die Einwanderung der Juden nadi Palältina 29 ruiTifchen Revolution. Allerdings laflen fleh augenblicklich die Ver* hältnifle noch nicht überfehen, aber das Eine fteht wohl feft: mögen die Maximalilten oder Minimalifien, mögen die Kadetten oder gar wieder eine zariftifche Regierung die Gefchicke Rußlands nach dem Kriege beftimmen — fchlechter als vor dem Kriege kann es den Juden nicht gehen, ihre Lage wird fleh vielmehr fleher beffer geltalten, wenn wir auch über den Grad der Verbefierung noch nichts ausfagen können. Auf den erften Blick fcheint damit ein nicht unbedeutender Faktor für die Einwanderung in Paläßina in Wegfall zu kommen, Hierbei ift aber folgendes zu berüddichtigen: einmal bilden, wie wir bereits betont haben, die ruiTifchen Juden nicht den großen Prozentfatz von Einwanderern nach Paläßina wie von dem nach Amerika, fondern, um es noch einmal zu wiederholen, nur 55^/0. Fernerhin ift faß ein Drittel aller ruiTifchen Juden, etwa zwei Millionen, nicht mehr mit Rußland verbunden, fondern fieht unter polnifcher Herrfchaft, und wie es den Juden unter polnifcher Bot* mäßigkeit wirtfehaftlich und kulturell ergeht, dazu brauchte man nicht die Erfahrungen diefes Krieges, die wahrlich trübe genug find/ das hatten fchon im Frieden die Ereignifle in Galizien gelehrt. Die wirtfehaftlichen Bedingungen der polnifchen wie der galizifchen Juden <die Zukunft der rumänifchen liegt noch im Dunklen) find durch den Krieg nur noch verfchärft worden. Die Lage der Juden in allen übrigen Gebieten, aus denen fleh die Einwanderer nach Paläßina rekrutieren — es kommen hier einerfeits Jemen, Marokko, Buchara, andererfeits Wefteuropa in Frage — ifi im wefentlichen diefelbe geblieben, fodaß fleh die Auswanderung aus diefen Ge* bieten erhöhen dürfte, da die nationalen Motive fowie die An* ziehungskraft des Landes eine fiarke Steigerung erfahren haben. Falfen wir untere Ausführungen über die Einwanderung der Juden nach dem Kriege in das Heilige Land zufammen, fo kommen wir zu folgendem Ergebnis : Aus Gründen der Bevölkerungspolitik, des Finanzwefens, der Bodenverbelferung, der Schaffung von Indufirien liegt eine fiarke jüdifche Einwanderung durchaus im Intereffe der Türkei, zumal keine politifchen Gründe dagegen fprechen. Die politifche Kon* fiellation, die großen Entwicklungsmöglichkeiten des Landes, der Sieg des nationalen Gedankens in der ganzen Welt werden die jüdifche Einwanderung — die durch nationale Motive fehr ftark mitbedingt ift — fteigern, wenn auch für einen Bruchteil die ökono* milchen VerhältnilTe durch die rutfifche Revolution fleh verbelfert haben. Mit der Annahme eines weiteren beträchtlichen Steigens des jüdifchen Elements in Paläftina liehen wir alfo auf durchaus realem Boden. Und eine weitfehauende zioniftifche Politik wird mit den realen Konfequenzen rechnen müflen, die fleh daraus er* geben, vor allen Dingen mit den Fragen, die das Verhältnis der Juden zu den Arabern betreffen. Breslau Dr. Tritz SternBerg