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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 30

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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28 SternBerg, Die BinVanderung der Juden nadi Paläftina In Weßeuropa hat man jetzt wohl zum erßen Mal in größcrem Kreife einen wirklich inneren Zufammenhang mit den Oßjuden efcjebt, und fo kann man auch hier ein weiteres An^ wachfen des nationalen Gedankens feßßellen. Am charakterißifchßen aber dürfte die Entwicklung in Rußland fein. Hier hat nach jahrhundertelanger Knechtfchaft und taufendfachem Leid, die Re^ volution, an der Taufende junger Juden beteiligt waren, die Eman^ zipation des jüdifchen Volkes herbeigeführt und den Juden völlige Gleichberechtigung verfchafft. Im vollen Gegenfatz zu den Wefijüden im Anfang des 19. Jahrhunderts find die Juden nicht von dem Schlagwort fißerte egafite fraternite geblendet worden, glaubten und glauben nicht, daß fie, um diefes Gefchenkes würdig zu werden, fich nunmehr in ruffifche Staatsbürger jüdifchen Glaubens verwandeln müßten, fondern verlangten mit vollem Nachdruck, als Nation anerkannt zu werden und kulturelle Autonomie im Sinne des Renner'fchen Programms zu erhalten. Das gleiche gilt für die Juden Polens. Ihre Vertreter führen einen erbitterten Kämpfern die Anerkennung ihrer nationalen Rechteüber den Ausgang iß natürlich noch nichts Sicheres zu fagen, er iß auch für unferen Zu^ fammenhang unwefentlich. Jedenfalls find feine Wirkungen fchon daran zu erkennen, daß auch die polnifche Judenheit aus ihrer politischen Lethargie immer mehr erwacht und für den nationalen Gedanken, der unbewußt ßets in ihr gelebt hat, ein weites Feld iß. Das zeigen auch die fieigenden Zahlen der zionißifch Organifierten. Für Polen felbfi liegen vorläufig noch keine Zahlen vor. In Rußland dagegen hat die zionißifche Organifation in der kurzen Zeit nach Ausbruch der Revolution reißende Fortfcfaritte gemacht. Wahrend es vor dem Kriege nur 26 000 Zionißen|in dem weiten rulfifchen Reiche gab — das Kofakenregiment verhinderte die weitere Verbreitung —- und ihre Zahl bei Kriegsausbruch auf 13 000 herabfank, wurden für den letzten zionifiifchen Kongreß in Rußland über 140 000 gültige Stimmen abgegeben wobei zu berückfichtigen iß, daß Rußland augenblicklich nur zwei Drittel des Friedensßandes feiner jüdifchen Bevölkerung zählt — und die Zahl mehrt fich von Stunde zu Stunde. So können wir alfo zufammenfalfend bemerken, daß der nationale Gedanke bei Oß^ und Wefijuden im Kriege an Boden gewonnen hat, daß viele taufend begeifierungfähige Herzen ihn aufgenommen haben, aber auch viele Männer — befonders in Amerika <— die fich trotz ihres warmen Herzens den kühlen Verßand bewahrten haben ,• daß fomit die nationalen Motive, die die Juden zur Auswanderung nachPaläfiina drängten, eine große Steigerung erfahren haben, die fich nach dem Kriege bemerkbar machen muß. Anders liegen die Dinge, wenn wir die wirtfchaftlicfaen Faktoren bedenken, die die Juden zur Auswanderung veranlaßten. Hier haben fich die Verhältnilfe für einen großen Teil der Juden wesentlich geändert. Wir denken natürlich an die Folgen der

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