Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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Sternßerg, Die Einwanderung der )uden nach Palästina 27 Kampf um ihr gefährdetes Volkstum aufzunehmen entfchlolfen \%, gerötete Wangen unNd leuchtende Augen, die man jetzt fchon oft unter den jüdifch-nationalen Juden antrifft«. Und das ift wahr, wer von den Weftjuden hinüberging — es war kaum einer, der nicht Zioniß war — der tat es wahrlich nicht, um fein Schäflein ins Trockene zu bringen, Hier im alten Europa hätte er wirt* fchaftlich wohl belfere Exifienzbedingungen gehabt. Er ging hinüber warmen Herzens, ufri feine Ideale in die Tat umzufetzen. Ähnliches gilt von den Oftjuden : die, die vor der zionifiifchen Bewegung hinübergingen, waren zumeiß alte Männer, die in heiliger Erde begraben fein wollten,- wirtfchaftliche Betätigung lag ihnen fern. In den letzten Jahren vor dem Kriege gingen allerdings viele Ofi^ juden hinüber, um fleh in Paläßina eine Exißenz zu fchaffen / aber durch fie geht derfelbe idealifiifche Zug. Rein wirtfehaftlich würden fie in Amerika belfere Entwicklungsmöglichkeiten haben als in Paläßina. .« Wie ßeht es nun nach dem Kriege mit diefen Motiven um fie in ein Schlagwort zu prelfen — nationaler Art, die die Juden zur Auswanderung nach Paläßina veranlaßten? Wir können konfiatieren, daß das Nationalbewußtfein, wie in der ganzen Welt, fo auch bei den Juden eine kräftige Steigerung erfahren hat. In der ganzen Welt, das fehen wir an« den Erfolgen, 4ie die Entente* Diplomatie mit ihrem angeblichen Kampfe für die kleinen Nationen gefunden hat, an dem Siege des nationalen AjJtonomiegedänkens. Bei den Juden aber ganz befonders : die jüdifch^nationale zionifiifche Organifation ifi die einzige, die trotz ihrer Internationalität ihre Arbeit im Kriege weiterführen konnte und erfolgreich weitergeführt hat. Die national^jüdifchen Infiinkte der Juden, erwiefen fich als fo fiark, daß fie eine gemeinfame Arbeit von Juden der mitein* ander Krieg führenden Länder möglich machten. In Amerika hat der nationale Gedanke fiegreich Boden gewonnen die amerikanifche Judenheit hat fich von der Führung der zur Aflimilation neigenden Plutokratie befreit und fich unter nationalen Führern zufammen* gefchlolfen. Die Ereignilfe find noch zu neu, um fich fchon jetzt in ihren Konfequenzen überfehen zu laßen. Aber manche Symptome fprechen für eine Steigerung des nationalen Gedankens, deren Endpunkt die Schaffung einer jüdifchen Heimßätte fyr die luden in Paläßina verlangt. So haben fich die Eingänge für den jüdifchen Nationalfonds in den Vereinigten Staaten während des Krieges bedeutend vermehrt, fo find, die amerikanifchen Nation^ljuden in der Union zu einem politifchen Faktor geworden. Wir wilfen nicht, warum gerade Brandeis dazu beßimmt ifi, in der Friedens* konferenz an entfeheidender Stelle teilzunehmen. Aber fchon die Tatfache beweifi, daß die Juden zum erfien Male in der Gefchichte als politifch nicht zu unterfchätzendes Element gewürdigt werden und daß der nationale Gedanke bei den Juden Amerikas fefie Wurzel gefaßt hat.