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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 27

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Sternßerg, Die Einwariderung der Juden nach Paläftina 25 Graf Czernin öffentlich betonte, den zioniftifchen Beßrebungen fehr geneigt gegenüber, Herrn von Kühlmann haben die Juden Pa* läßinas, hat der Zionismus während des Krieges viel zu danken. Diefe Stellung der Großmächte wird naturgemäß einen außerordent* lieh großen Einfluß auf die Türkei ausüben, wie dies bereits aus den Äußerungen des türkifchen Minifiers des Äußern und des Großvefirs zu erkennen iß. Erklärungen wie die Djemal Pafchas find zur Zeit nicht mehr möglich. Wir hegen die begründete Hoffnung, daß die Türkei den jüdifchen Einwanderungsbeßrebungen nach dem Kriege keine Schwierigkeiten mehr in den Weg legen wird, zumal fie durch eine fiarke jüdifche Einwanderung wirt* fchaftlich nur gewinnen kann <vergl. meinen Auffatz im Oktober* heft des »Juden«). Damit wird ein wichtiger Hinderungsgruhd für die Einwanderung der Juden in Fortfall kommen. Bedenken wir doch, daß viele Juden durch die politifche Unficherheit gehemmt wurden, ihr Leben mit dem Heiligen Lande zu verbinden. Otto* manifche Bürger wollten fie nicht werden, da fie damit der Willkür der Behörden ausgefetzt waren. Als Ausländer hatten fie rechtlich und ökonomifch in vielen Beziehungen fiarke Nachteile, die /ihr wirtfehaftliches Weiterkommen hinderten und mußten außerdem gewärtigen, in kurzer Zeit' ausgewiefen zu werden, wenn ein fchärferes Regime ans Ruder kam. Werden den Juden dagegen die Rechte garantiert, die fie zumeifi in praxi bereits vor dem Kriege befaßen — Schule, Gericht, Steuererhebung,- man faßt fie heute unter dem Schlagwort »Nationale Autonomie« zufammen — dann find fie, wie der Krieg gelehrt hat, gern, bereit, türkifdie Staatsbürger zu werden, dann hat eine Einwanderung nicht mehr mit politifchen Hemmungen zu kämpfen, und die große Anziehungs* kraft, die das Wort »Paläfiina« für den Juden der ganzen Erde befitzt, kann fich ungehindert geltend machen. Bevor wir jedoch von den nationalen Momenten handeln, wollen wir der wirtfchäfi> liehen^ Entwicklungsmöglichkeiten Paläfiinas gedenken. Wir können zunächfi konfiatieren, daß fich in den letzten Jahren vor dem Kriege — die Zahlen über den Handel fchließen jeden Zweifel aus — ein wirtfefaaftlicher Auffchwung in Paläfiina zeigte, daß fernerhin die Pflanzungskolonien fich immer befler rentieften und die Getreidekolonien auf ein günfiiges Niveau kamen und immer weniger auf Unterftützung angewiefen waren. Die ganze Kolonifation hatte eine viel planmäßigere Gefialt angenommen, und der Erfolg zeigte fich in einer wenn auch lang* fam fieigenden Einwanderungszahl. Für die erfien Jahre nach deni Kriege werden fich die Verhältnifle unferer Anficht nach einmal dadurch günfiiger geftalten, daß die Türkei mit allen ihr zu Gebote fiehenden Mitteln an die Schaffung einer eigenen Indufirie gehen - wird, die in Paläfiina nidit ungünfiige Entwicklungsbedingungen hat. Die Befeitigung der Kapitulationen gibt der Türkei die Möglichkeit einer Zollpolitik, die ihren eigenen wirtfehaftlichen Möglichkeiten

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