Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Stein, Philöfemiten 21 unus fähe es gewiß am liebßen, wenn es gar kein Judentum gäbe, -das Vorausfetzung und Veranlaflung von To unbequemen undun* dankbaren Problemen iß.« Daß folche Wahrheiten von einem liberalen Juden jetzt öffentlich ausgefprochen werden, ift auch ein Zeichen dafür, daß zur Zeit ein Prozeß des Umdenkens in den Köpfen der deutfchen Juden vor fich geht. Bedenkt man nun, daß Menfchen, die für unfere Lebensinhalte und unferen Lebenswillen ftets nur diefe unverhüllte Gleich* gültigkeit übrig gehabt haben und für das armfelige Linfengericht gefellfchaftlicher und politifcher Duldung die ungefieuerlichße Gegenleißung, nämlich den freiwilligen Tod unferer Gemeinfchaft als felbfiverfiändlich vorausfetzen, daß diefe felben Menfchen von den deutfchen Juden und den als ihre offiziellen Vertreter gelten* den Männern nicht nur nicht bekämpft oder weiiigftens belehrt, fondern noch dankbar als unfere edlen Freunde gepriefen wurden, dann kann eben die Geringfehätzung nicht wundernehmen, mit der diefe Kreife der Sache des Judentums gegenüberßehen und die fie in Wahrheit natürlich auch für die Juden als Einzelperfonen hegen. Denn die Zumutung der Selbßaufgabe gegenüber einer Menfchen* * .gruppe von fo reichem nationalen und geißigen Inhalt fetzt not* wendigerweife auch einen hohen Grad von Nichtachtung gegenüber den Trägern diefer Inhalte voraus. Wenn man fich darüber klar geworden iß, fo begreift man es auch, wie es zum Beifpiel möglich war, daß vor dem Kriege in der Zeit des heftigßen Kampfes zwilxhen dem mächtig aufßrebenden Nationaljudentum und der fich heftig wehrenden alten offiziellen Richtung chriftliche liberale Politiker wie die Herren Gothein und Mülfer-Meiningen es fertig bekamen, lieh in diefen innerjüdifchen Kampf, der fie doch eigentlich garnichts anging, einzumifchen und gegen die eine Richtung aggreuiv vor* zugehen, die ihnen freilich angefichts der Todesrolle, die der po* litifche Liberalismus in Deutfchland dem Judentume zugedacht hat, unbequem fein mochte. Man fielle fich den undenkbaren Fall vor, daß, um bei dem vorhergewählten Beifpiele zu bleiben, etwa bei einem Meinungskampf innerhalb der katholifchen Religionsgemein* fchaft ein Protefiant oder gar ein Jude fich unterfangen wollte, fich in gleicher Weife einzumifchen, und man wird erkennen, wie tief in Wirklichkeit das Gefühl der Geringfehätzung uns gegenüber felbß in diefen Kreifen iß. Sicherlich iß dergleichen noch nie in einer anderen nationalen oder religiöfen Gruppes vorgekommen, allerdings haben wohl auch noch niemals Angehörige einer folefaen Gruppe in unbegreiflicher Unempfindlichkeit gegen die Würde ihrer Gemeinfchaft und in vollkommener Verkennung der politifchen Intereflen der Gefamtgruppe Außenßehende als Helfer in folch einem inneren Bruderkampfe herbeizuholen für gut gehalten. Es gibt allerdings auch Menfchen, denen wir die Bezeichnung Philofemit in einem anderen, höheren Sinne mit befferem Rechte -zuerkennen dürfen, meifi Gelehrte oder Künßler, ihre Zahl ift nicht