Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Stein, Philofemiten' die als eine befondere Gruppe zu betrachten, Tie für nicht mehr zeitgemäß halten, find ihnen lediglich Einzelperfonen, denen fie den Zutritt in ihre Gefellfchaft in mäßiger Zahl — nicht verfagen, vorausgefetzt, daß fie fich gefchmeidig auf den in dem. betreffenden Kreife herrfchenden Ton abßimmen, und nicht etwa durch eine,, wenn auch aus dem elementarßen Bedürfnifle ihrer Gemeinfchaft fich j ergebende Sonderauffaffung, wie eben zum. Beifpief die Ab* lehnung eines Täuflings, unbequem werden und die Gemütlichkeit ßören. Daß der Philofemit, der ausnahmslos dem politifchen Liberalismus angehört — die liberalen Politiker find, fo die Renommier^ philofemiten für die deutschen Juden — für Gleichberechtigung der Juden eintritt, gefchieht in Konfequenz liberaler Politik überhaupt und ändert an der Tatfache, daß diefe Judenfreundeden Inhalten des Judentums, feinem Schmerze und feinen Forderungen mit er^ fiaunlicher Interelfe- und Refpektlofigkeit gegenüberßehen, nicht da& mindeße. Jenfeits der rein perfönlkhen und gefellfdiaftliehen Be* Ziehungen find wir für den liberalen Politiker nur die anfpruchbe^ rechtigten Objekte eines gewiflen parteipolitifchen Schutzes, deflen übrigens meiß nur rednerifche Betätigung off mehr von der Rückficht auf ein lehr reales Gegenfeitigkeitsverhältnis als von eigentlicher Wärme für die Sache diktiert erfcheint. Als Träger einer Idee find wir ihnen; gleichgültig und werden ihnen, fobald wir als folche auftreten,gleichi wi,e im gefellfchaftlichen Leben, unbequem und läfiig. Als kurz vor denn Kriege den zahlreichen Juden eines Berliner Wahlkreifes ein ge^ taufter Jude als liberaler Kandidat präfentiert wurde — niemals hätte man gewagt, das Entfprechende etwa katholifchen Wählern zu bieten — und ein Teil der jüdifchen Wählerschaft fich gegeiii diefe Zumutung energifch verwahrte, da wurde ihnen fogleich von diefen Philofemiten, die offenbar für diefen eigentlich felbßver^ ßändlichen Akt jüdifcher Selbßachtung nicht das geringfie Verfiändnis hatten, gründlich der Text gelefen, leider, wie zu erwarten,, unter eilfertiger Aflißenz hilfsbereiter Juden, die fich diefe Gelegenheit nicht entgehen ließen, zu diefem erfien Beifpiel in der deutfchen» Öffentlichkeit dokumentierten jüdifchen Gemeinfchaftsgefühls das peinliche Gegenbild zu liefern. Über das Verhalten diefer Juden^ freunde zum Judentum fchreibt ein Gegner unferer nationalen Auffaflung, Rabbiner Felix Goldmann, in den »Jüdifchen Monatsheften« : »Der politifche Liberalismus, der auf einen großen Teil der deutfchen Juden aus fehr erklärlichen Gründen großen Einfluß hat,, vertritt in der Judenfrage durchaus die Ideale des Emanzipationszeitalters. Er will die individuelle Freiheit des einzelnen Juden, will für ihn Recht und ungehemmte Betätigungsmöglichkeit für feine Fähigkeiten.. Für die Gemeinfchaft, das Judentum, hat er aber kein Interefle. An feinem Befiehen und feiner Zukunft liegt ihm nicht das geringße. Man kann fogar Tagen, daß diefe Gleichgültigkeit allmählich einer fachlichen Gegnerfchaft Platz gemacht hat. Der politifche Liberalis-